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Johnny Depp in „Public Enemies“ im Kino

Ob Schauspielveteranen wie Robert De Niro und Al Pacino in „Heat„, Energiebündel Tom Cruise in „Collateral“ oder die obercoolen Colin Farrell und Jamie Foxx in „Miami Vice„: In den stets stilvollen Actionthrillern von Michael Mann dürfen die höchstbezahlten Schauspieler Hollywoods den star­­ken Mann markieren, ohne Angst haben zu müssen, sich an bodenständiger Action-Gülle а la „Rambo“ die Finger schmutzig zu machen. In „Public Enemies„, dem neuen Film von Mann, hat Johnny Depp als der legendäre Bankräuber John Dillinger den Finger am Abzug. Als Kontrahent steht Depp der zurzeit unvermeidliche Chris­tian Bale als FBI-Agent Melvin Purvis gegenüber.
Ungeachtet des Terrors, den Dillinger mit seiner Maschinengewehrbande in den 30er Jahren in Chicago verbreitet hat, wird der charismatische Gangsterboss als schnu­cke­liger Sympathieträger präsentiert, dem die Damenwelt zu Füßen liegt. Als vogelfreier Outlaw, der aus jedem Knast ausbrechen kann und den Autoritäten auf der Nase herumtanzt, genießt er die Sympathien der von der Weltwirtschaftskrise gebeutelten Öffentlichkeit. Parallelen zu Jean-François Richets vor wenigen Wochen gestartetem Zweiteiler „Public Enemy No. 1„, in dem Vincent Cassel den französischen aufmüpfigen Bankräuber Jacques Mesrine verkörpert, drängen sich auf. Doch den packenden Realis­mus von Richet vermisst man beim neuen Michael Mann.
Die hyperreal scharfen Bilder der Digitalkamera, mit der Mann seit „Collateral“ arbeitet, wollen so gar nicht zum 30er-Jahre-Setting passen. Überhaupt wirkt die erste Hälfte von „Public Enemies“ mit den wirr montierten Verfolgungsjagden und kräftigem Geballer überhastet, rechten Zugang zur Hauptfigur Dillinger findet man nicht. Erst in der letzten halben Stunde, wenn er genüsslich zur tragischen Hinrichtung seines Antihelden auf offener Straße hinführt, läuft Michael Mann zur gewohnten Höchstform auf. Schauspielerisch ist an dem charmanten Johnny Depp und dem wie immer äußerst verbissen agierenden Christian Bale natürlich nichts aus­zusetzen. Aber irgendeine Über­raschung oder Unregelmäßigkeit hätte dem routinierten Edelthriller sicher gut getan.

Text: Jörg Buttgereit

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Public Enemies“ im Kino in Berlin

Public Enemies, USA 2009; Regie: Michael Mann; Darsteller: Johnny Depp (John Dillinger), Christian Bale (Melvin Purvis), Marion Cotillard (Billie Frechette); Farbe, 143 Minuten

Kinostart: 6. August

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