Familiendrama

„Jonathan“ im Kino

Tristesse und Erotik: „Jonathan“ muss sich mit seiner Familie auseinandersetzen

Foto: Farbfilm Verleih/ eremyRouse

Jonathan ist 23 und lebt mit dem krebskranken Vater Burkhardt und seiner Tante Martha auf einem entlegenen Bauernhof. Die Pflege ­seines Vaters und die harte Arbeit auf dem Hof belasten ihn. Burkhardt will sterben, doch die Schatten der Vergangenheit lassen ihn nicht gehen. Es entbrennt ein Konflikt mit seinem Sohn, der von Vorwürfen, Schuldgefühlen und Angst genährt wird.
Zum Glück ist da die Pflegerin Anka: Sie bringt Lust, Leichtigkeit und Leidenschaft in Jonathans Leben. Als Ron, ein alter Freund aus Burkhardts Vergangenheit, aus dem Nichts auftaucht und das Ruder an sich reißen will, brechen aus Jonathan Frust, Wut und Trauer der letzten Jahre heraus.
Eine melancholische Atmosphäre der Abgeschiedenheit und Depression durchzieht den Film, untermalt von kühlen Farben, Regenschauern und unendlich weiten Wäldern. Der Gewittersound verleiht dem Film die richtige Prise Tristesse. Die ein oder andere erotische Szene erhellt ab und zu den bedrückenden Grauschleier, der über dem Film liegt. Kleine Puzzleteile, die zunächst für Verwirrung sorgen, fügen sich am Ende harmonisch zusammen. Gesellschaftlich sensible Themen wie Tod und Homosexualität geben dem Film eine fast aufklärerische Note. Ein ehrliches, berührendes und bedrückendes Familiendrama, das einen emotional abholt.

Text:  Juliane Ibold

Jonathan D 2016, 99 Min., R: Piotr J. Lewandowski, D: Jannis Niewöhner, André M. Hennicke, Julia ­Koschitz, Thomas Sarbacher, Barbara Auer, Start: 6.10.

Bewertungspunkte2

Mehr über Cookies erfahren