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„Joschka und Herr Fischer“ im Kino

Joschka_und_Herr_FischerDer Bundesaußenminister außer Dienst Joseph Fischer hatte im Kino erst neulich einen hübschen kleinen Auftritt in Cyril Tuschis Dokumentarfilm „Khodorkovsky“. Er gab sich dort als abgebrühter Realpolitiker, der aus der sicheren Perspektive seines Berliner Gartens auf die Machinationen des immer noch aktiven Vladimir Putin zurückblickte und darin keinen Anlass zu Optimismus fand. Zur politischen Geschichte der Bundesrepublik hat „Joschka“ Fischer zweifellos eine Menge beigetragen, er hatte auch Szenen, die definitiv filmreif waren, zum Beispiel das engagierte „I am not convinced“, das er dem amerikanischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld entgegenschleuderte. Die wesentlichen Szenen dieser Karriere liegen nicht nur in den Archiven, sondern im kollektiven Gedächtnis: Fischer in Turnschuhen bei der Angelobung als Minister in Hessen, Fischer als Straßenkämpfer in Frankfurt, Fischer als Spargeltarzan im Dreiteiler nach einer radikalen Lauf- und Diätkur. Und nun eben: der altersweise Welterklärer, der sich auf die Nachfolge von Helmut Schmidt als Universalorakel vorbereitet.

Pepe Danquart („Am Limit“) hat in dieser Geschichte einen tollen Film vermutet, den er dann allerdings nicht gemacht hat. Denn „Joschka und Herr Fischer“ gibt seine analytische Position von Anfang an preis – und zwar an seinen Protagonisten. Fischer sieht sich in einer Art Erinnerungsinstallation den zahlreichen Bildern aus seinem Leben gegenüber, und kommentiert diese in einem Plauderton, der zwischen Eitelkeit und Souveränität schillert. Danquart schafft es nicht, die jeweiligen kritischen Situationen aus ihrer Zeit heraus neu zu erschließen, alles ist immer schon Teil eines großen Bogens, dem dadurch jede – sowohl biographische wie intellektuelle, und damit natürlich auch: politische – Spannung fehlt. Der paradigmatische Weg des Joseph Fischer ist mit diesem Film auf jeden Fall noch nicht erzählt, allenfalls zum Genre der gefälligen Selbstbespiegelung trägt „Joschka und Herr Fischer“ bei.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Nadja Klier

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Joschka und Herr Fischer“ im Kino in Berlin

Joschka und Herr Fischer Deutschland Schweiz 2011; Regie: Pepe Danquart; 138 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 19. Mai

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