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Josef Bierbichler glänzt in „Der Architekt“

Außerordentlich ungern macht sich der erfolgreiche Architekt Georg Winter mitsamt seiner Familie auf den Weg zur Beerdigung seiner Mutter. Es ist nicht bloß der Widerwille gegen die Enge des heimatlichen Bergdorfs, der den ins luftige Hamburg Entkommenen bocken lässt. Es ist das schlechte Gewissen, ein Geheimnis, die Lebenslüge, die er dort – wie lange schon? – aufrechterhält. Doch als der Pfarrer das Testament der Mutter verliest, kennen alle die Wahrheit.
Jetzt fällt der eine entscheidende Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Die Implosion der Familie Winter ist die Folge. Ohne großen Widerstand und mit hoher Geschwindigkeit vollzieht sich der Zerfall – so, als hätten alle nur darauf gewartet, diesen Beziehungsruinenberg endlich hinter sich zu lassen.
Es ist diese fast schon kaltblütige Unaufgeregtheit, die Ina Weisses Drama zu einem so starken und ehrlichen Film macht. Kein me­lodramatischer Kampf suggeriert die Möglichkeit der Versöhnung, stattdessen reagiert man nüchtern und mit grausamer Konsequenz. Dem hervorragenden Schauspielerensemble ist diese in subtilen Ausdrucksformen vorgetragene Orgie der Zerstörung höchst angemessen.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Sehenswert

Der Architekt, Deutschland 2008; Regie: Ina Weisse; Darsteller: Josef Bierbichler (Georg Winter), Sandra Hüller (Reh), Matthias Schweighöfer (Jan); Farbe, 93 Minuten

Kinostart: 5. Februar 2009

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