Dystopie

„Jugend ohne Gott“ im Kino

Überall Streber: „Jugend ohne Gott“ adaptiert sehr frei Ödön von Horvath

Foto: Constantin Film Verleih GmbH / Die Film GmbH / Marc Reimann

Streber waren früher die Ausnahme, in jeder Klasse gab es ein oder zwei, man ließ sie vorne beim Lehrer sitzen. Was aber, wenn künftig eine ganze Gesellschaft aus Strebern bestehen wird? Diesen wahrhaft horriblen Gedanken spielt das deutsche Filmdrama „Jugend ohne Gott“ durch.

Die heutige Jugend, zum Beispiel die Generation Praktikum, wird sich vielleicht in Ansätzen wiedererkennen in der Gruppe, die hier in ­einem Camp in der abgeschiedenen Natur ­einer Gebirgslandschaft zu einem Auswahlverfahren zusammenkommt. Nur die Besten (die Härtesten?) bekommen einen Platz an einer Eliteuniversität. „Jugend ohne Gott“ spielt in der (nahen?) Zukunft, was man vor allem daran erkennt, dass die jungen Leute einen Chip eingepflanzt bekommen – dass sie es als ­Trainer mit dem Schauspieler Rainer Bock zu tun bekommen und als Direktorin mit Iris Berben, tut der dystopischen Ambition aber nicht gut, denn da wirkt alles gleich wieder wie eine Anti­utopie, die gern öffentlich-rechtlich wäre.

„Jugend ohne Gott“ beruht auf einem Roman von Ödön von Horvath, der sehr frei adaptiert wurde. Mit einer Reihe von astreinen deutschen Jungstars veranstaltet Alain Gsponer auf Grundlage eines Drehbuchs von Alex Buresch und Matthias Pacht allerdings nichts weiter als einen gesellschaftskritischen Film auf dem ­gedanklichen Niveau eines „Bravo“-Foto­romans. Wenn ein junger deutscher Held schon mal Zach heißt, könnte man fast auf den Gedanken kommen, hier wären irgendwo Holly­wood-Streber.

Jugend ohne Gott D 2017, 114 Min., R: Alain Gsponer, D: Jannis Niewöhner, Fahri Yardim, Emilia Schüle, Alicia von Rittberg, Jannik Schümann, Anna Maria Mühe, Start: 31.8.

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