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„Julieta“ im Kino

Und wieder schenkt uns der große spanische Regisseur Pedro Almodóvar eine wunderbare, starke Frauenfigur

„Die Frau schenkt nicht nur Leben, sie ist auch stärker um zu kämpfen, zu walten, zu leiden und um all das zu genießen, was das Leben mit sich bringt. Nur das Schicksal ist stärker als sie.“ Dieses Zitat von Pedro Almo­dóvar fasst einen großen Teil seines mittlerweile 20 Langfilme umfassenden Oeuvres zusammen; kaum ein Regisseur hat so ­viele wunderbare Frauen in seinen Filmen ­verewigt wie der mittlerweile 66-jährige Spanier.

Julitetta
Foto: Tobis Film

Und das Schicksal spielt besonders in seinen Melodramen immer wieder eine essenzielle Rolle. Was die erzählten Geschichten in Filmen wie „Sprich mit ihr“ (2002) oder „Die Haut, in der ich wohne“ (2011) mit den hanebüchenen Zufällen oder rabiaten Schicksalsschlägen immer wieder in die Nähe von simplen Groschenromanen rücken ließ, vom Regisseur aber stets durch eine packende Inszenierung gekonnt aufgefangen wurde.

Nach Motiven der kanadischen Schriftstellerin Alice Munro erzählt ­Almodóvar diesmal von Julieta. Wir erleben sie zu ­Beginn mit Mitte 50, wie sie sich kurz­fristig entschließt, ihre Heimatstadt Madrid doch nicht Richtung Portugal mit ­ihrem Lebens­gefährten Lorenzo zu verlassen, sondern in ihrem Haus von früher wieder eine ­Wohnung zu mieten. Doch was treibt diese Frau an, welches dunkle Geheimnis schleppt sie mit sich herum? Wir erfahren: Julieta hat mit Antía eine Tochter, von der sie offenbar seit Ewigkeiten nichts gehört hat.

Rückblende ins Jahr 1985. Die junge Julieta wirkt mit ihrer 80er-Frisur wie aus einem der frühen Almodóvar-Filme und lernt im Zug den attraktiven Fischer Xuan kennen. Die beiden werden ein Paar. Julieta zieht zu Xuan an die Küste, Antía wird geboren, ­alles ist gut. Doch dann geschieht die Kata­strophe …

Mehr muss man nicht erzählen. Was ­diesen neuen Film des Altmeisters von ­vorherigen unterscheidet: „Julieta“ ist weniger schrill und überspannt, stattdessen ­erweist sich ­Almodóvar erneut als meisterhafter ­Erzähler.

In gediegenen Bildern und unterstützt vom Score Roberto Iglesias breitet der Regisseur eine packende Geschichte vor uns aus, in der es um Schuld und Sühne geht, und bei der man inständig hofft, die Titelfigur möge ihren Seelenfrieden finden. Auch wenn der Tod ein ständiger Begleiter von Julieta zu sein scheint. Zudem spielt Almodóvar mit Symbolen und verstärkt Metaphern durch eine genaue Farbgebung. Julieta wird von zwei wunderbaren Schauspielerinnen verkörpert: die junge von Adriana Ugarte, die ältere von Emma Suárez.

E 2016, 100 Min., R: Pedro Almodóvar, D: Emma Suárez, Adriana Ugarte, Daniel Grao, Dario Grandinetti

im Kino

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