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Junge Filmemacher im Interview: Diana Frankovic

Diana Frankovic

tip Und Du?
Diana Frankovic Der Traum ist natürlich irgendwann von den Filmen zu Leben. Das ist der Traum. Aber ich bin realistisch. Wenn, dann wird das Jahre dauern, wenn nicht Jahrzehnte.

tip Wie gehst Du damit um?
Diana Frankovic Ich fahre bimedial. Ich komme vom Radio. Bin seit mehr als zehn Jahren Radiomoderatorin und mache Features, also die längeren Stücke, 30 bis 60 Minuten. Meinen Lebensunterhalt bestreite ich derzeit mit der Morningshow bei Funkhaus Europa. Davor war ich sechs Jahre bei Fritz, davor bei Radio Multikulti. Insgesamt bin ich zehn Jahre am Mikrofon am Quatschen. Und das werde ich auch so weiter durchziehen, um mir das Filmemachen überhaupt zu ermöglichen. Um  einen Film zu machen, braucht man wahnsinnig viel Zeit. Es ist unfassbar aufwendig und zeitintensiv. An einem Film arbeitet man zwei bis drei Jahre. In dieser Zeit muss man ja von irgendetwas leben und Geld verdienen.

tip Wie hat Dir die Erfahrung in einem Audiomedium weiter geholfen?
Diana Frankovic Viele Ideen kommen von meinem Job. Ich wäre nie auf die Idee des Filmemachens gekommen, wenn ich nicht schon so lange beim Radio als Moderatorin gearbeitet hätte. Dort habe ich die Ausbildung als knallharte Journalistin bekommen. Ich erkenne Themen und kann sie schnell umsetzen. Ich erkenne Geschichten. Ich treffe viele Menschen aus allen Genres, Colour und dementsprechend habe ich auch das Ohr, und mittlerweile auch das Auge für etwas Interessantes. Dann kam die Idee, da ist mehr, das ist mehr als nur Audio. Das ist visuell. Das ist ein Film. Und ohne die Radioerfahrung, wäre dies nicht möglich gewesen. Das ist quasi der weitere Schritt. Der zweite Schritt. Die Weiterentwicklung. So sehe ich das. Es baut aufeinander auf.

tip Gibt es Überschneidungen zwischen diesen Szenen oder Leuten? Wo liegen Unterschiede?
Diana Frankovic Überhaupt nicht. Es ist eine komplett neue Welt.

tip Wie kamst Du auf die Idee zu Deinem ersten Film?
Diana Frankovic Ich habe nach meiner Fritz-Zeit eine anderthalbjährige Weltreise gemacht, weil ich einfach eine Pause brauchte. Ich war ausgebrannt. Ich brauchte eine Veränderung. Ich musste den Kopf frei kriegen. Also bin ich auf Reise gegangen und daran, einen Film zu machen, habe ich nie gedacht. Dann kam eine Freundin auf mich zu, eine sehr erfahrene Regisseurin, und hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Sie würde gern mit mir an einem Film arbeiten. So wurde mir der Floh ins Ohr gesetzt. Letztendlich bin ich auf meiner Reise durch Nepal auf meine eigene Geschichte gestoßen.

tip Die da wäre?
Diana Frankovic Ich habe einen Mönch kennengelernt und so viel Zeit mit ihm verbracht und festgestellt, der Typ ist eine Geschichte, die ich erzählen muss. Das muss ich zeigen. Das ist ein Film. Das passierte alles zur gleichen Zeit, als ich schon angefangen hatte als totaler Neuling an diesem anderen Film zu arbeiten. Aber dann wollte ich mein eigenes Ding machen.

tip Was ist der Stand?
Diana Frankovic Verrückterweise bin ich damit weiter als ich mit dem anderen Projekt jemals war, weil ich alles investiert habe, was ging. Passion, Kreativität, Zeit, Tränen, Nerven, Geld. Alles. Und ich habe einfach gemacht. Viele haben zu mir gesagt, „Du bist verrückt“, „Du kannst doch nicht einfach einen Film machen“, „Du kannst das doch garnicht“, „Du kommst vom Radio, Du kannst nur quatschen“. Das war mir egal. Ich hatte und habe eine Vision. Ich habe die Bilder auf einmal in meinem Kopf gesehen und wusste auf einmal wie der Film aussieht, von A bis Z und ich ziehe das jetzt durch.

Diana Frankovictip Und wie?
Diana Frankovic Ich kannte eigentlich keinen, aber dann kamen peu a peu die Leute. Ich habe mir mein Team ganz langsam zusammengestellt. Gezielt gesucht, gezielt gefunden. Und dann ohne Rücksicht auf Verluste brutal rein. Ich habe angefangen mein Treatment zu schreiben, die Geschichte zu entwickeln und dann sind wir los gezogen und haben den Teaser sofort gedreht, weil ich durch meine Mini-Erfahrung mit meiner befreundeten Regisseurin, die schon viele Spielfilme gemacht hat, gemerkt habe, ich darf nicht kleckern, ich muss klotzen.

tip Warum?
Diana Frankovic Mich kennt keiner, ich habe das noch nie gemacht, mir wird keiner glauben, alle werden denken, was kommt die denn jetzt hier auf die Idee und will einen Film machen. Ich habe so lange an dem Paket gefeilt, bis ich dachte: OK, das kann ich jetzt anbieten. Das stellt das ungefähr dar und stellt auch mich dar, so dass mir jemand zuhört.

tip Und wie lief es?
Diana Frankovic Ich habe dann gezielt recherchiert, welche Produzenten kommen in Frage, um meinen Film, meine Vision kommerziell umzusetzen. Ich will keinen Internet-Film, den kein Mensch sieht und der untergeht. Ich will es richtig machen. Konventionell mit einem unkonventionellen Thema. Das war die Idee. Als Querstarter. Ich habe die möglichen Partner angeschrieben. Knallhart. Brutal. Persönlich.

tip Und die?
Diana Frankovic Ich habe viele heftige Reaktionen bekommen. Da war alles dabei. Von „Ich habe sie doch nicht mehr alle“, „Was mir einfallen würde“, zumal mein Thema und die Umsetzung für viele ein wenig zu unkonventionell waren. Viele der Firmen, die lieber auf Nummer sicher gehen, waren echt schockiert und haben mir das auch gesagt. Von wegen „Du hast jegliche Doku-Regeln gebrochen, das geht nicht“. Genauso heftig kamen dann aber auch gute Reaktionen. Es hat sich bezahlt gemacht, dass ich da schon ein Jahr rein investiert hatte. Ich habe es geschafft zu ein paar sehr mächtigen Produzenten aufs Sofa zu kommen und über diesen Film mit Ihnen zu reden. Das waren genau die Partner, die mir vorschwebten. Die Gespräche haben sich über Monate hingezogen, aber ein Ende ist in Sicht. Die Entscheidung, wer der Produzent wird, ist so gut wie gefallen. Kann also los gehen.

tip Und dann?
Diana Frankovic Vor mir liegt ein langer, steiniger Weg. Ich habe mich bis jetzt allein durchgeboxt und habe gemerkt: es geht. Wenn man wirklich will, dann geht das. Aber man braucht eine Vision und man muss die auch verkaufen und durchziehen. Es ist Business.

tip Was ist Deine Vision bzw. Dein Film?
Diana Frankovic Es geht um einen tibetisch-buddhistischen Mönch in Nepal, der seit seiner Kindheit im Kloster lebt. Er ist 32 Jahre alt und depressiv. Er ist genau das, was wir uns bei so einer Lebensweise nicht vorstellen. Da kann man denken, ist ja schön und gut, betrifft mich aber nicht, aber die Geschichte geht viel weiter. Denn Tenzins Geschichte, so heißt der Mönch, könnte auch Deine Geschichte sein. Es werden essenzielle Lebensfragen angesprochen, wie zum Beispiel Traurigkeit, Depression, wie geht man damit um, was ist der Grundstein für das Unglücklichsein an sich. Woher kommt diese Traurigkeit, hat das was mit Verlangen und Begierde zu tun. Wie sehr spielt Sex und Begierde dabei eine Rolle. Das haben, was man nicht haben kann. Genauso wie Bindung, die Bindung zur Familie, zu Freunden, was hat das mit mir zu tun und mit meinem Glücklichsein. Auch die Einsicht der Einkehr, der so genannten Meditation, der Achtsamkeit. Das was im Westen mittlerweile boomt. Alle rennen zu Yogaschulen und spirituellen Gruppen, suchen nach dem Göttlichen, dem Sinn des Lebens, nach anderen Lebensmodellen und –prinzipien, kommen aber gleichzeitig nicht klar, weil das Leben so schnelllebig geworden ist, durch Technik, durch Suggestion. Jeder ist in einer Zerrissenheit und weiß überhaupt nicht mehr wohin und wo lang. Und rennt von einer Falle in die nächste. Aber jeder sucht. Und was? Das Glück. Der Arthouse-Dokufilm ist auch als leichter Psychotrip zu verstehen. Ich führe keine normalen Interviews mit Tenzin. Ich überschreite Grenzen. Ich stoße ihn in bestimmte Situationen, bestimmte Thematiken rein, über die der vorher nie in seinem Leben nachgedacht hat, aber über die es sich nachzudenken lohnt. Und das gilt für mich, für Dich, für jeden von uns. Antworten gebe ich nicht. Die muss jeder für sich finden.

tip Auf welchem Weg?
Diana Frankovic Man schaut Tenzins Geschichte und identifiziert sich mehr und mehr mit ihm, bis man feststellt, seine Geschichte ist auch meine Geschichte. Grob zusammengefasst geht es um: Glückfindung durch Spiritualität.

tip Was ist dein ästhetischer Ansatz?
Diana Frankovic Ich gucke nicht viele Dokus und seit fünf Jahren kein Fernsehen mehr. Wenn, dann schaue ich gezielt und die Sachen kommen meistens aus Amerika. Da sind die einfach schon einen Schritt weiter. Das hat mich in den letzten Jahren geprägt. Das was der europäische Markt hergibt, spricht mich nicht an, ist abgedroschen und 50er-Jahre-TV. Das war rückblickend gut, weil ich keine Vergleichswerte hatte und frei los legen konnte, mit dem, was in meinem Kopf drin war.

tip Was war drin?
Diana Frankovic Doku-Regeln waren mir nicht wichtig. Kannte ich ja nicht. Der Film ist laut, gleichzeitig aber leise. Er lebt von Kontrasten. Farblichen Kontrasten, geschichtlichen, emotionalen Kontrasten und die setze ich ganz gezielt und besonders mit Musik um. Nicht in Form von Auftragskompositionen oder Charthits, sondern ich suche gezielt Musik aus dem Electro-Techno-Indie-Psychedelic-Rock-Bereich aus. Diese stehen in einem absolut brutalen Kontrast zu den Bildern und zur Geschichte. Und schnelle Schnitte. Ich bin aus der MTV-Generation. Ich bin 34, also in den 90ern und mit Musikclips groß geworden. Ich habe mehr Musikclips gesehen, als Filme und Dokus. Das hat mich geprägt. Heftige schnelle Schnitte, andere Kameraführung, andere Farbintensitäten, einfach: Think out of the Box. Ich mach alles anders.

tip Wie kam das an?
Diana Frankovic Einige Produktionsfirmen hat es genau aus dem Grund auf den Plan gerufen, weil die meinten: „Genau weil es das so noch nicht gibt, wollen wir das haben.“ Mein Kernteam steht, das habe ich auch den Produzenten so vermittelt und da hat auch keiner dran gerüttelt. Mein Team ist nicht deutsch, sondern international. Das ist mir ganz wichtig, weil jeder aus einem anderen Land kommt, andere Einflüsse und Visionen und Erfahrungen mitbringt. Der Produzent bringt dann den Rest mit, wie Marketingleute, Designer, etc. Aber ich guck natürlich mit drauf. Ist ja auch eine Stilfrage.

tip Wie läuft die Zusammenarbeit?
Diana Frankovic Beim ersten richtig großen Dreh für den Teaser war ich nervös und dazu noch in Nepal. Ich war echt erst unsicher, aber mein Kameramann hat mir die voll genommen, indem er etwas wahres gesagt hat: Du bist jetzt Regisseur. Du musst jetzt Ansagen machen. Ich war erschrocken, und gleichzeitig die Verantwortung für so viele Leute zu übernehmen. Arbeitssprache ist bei uns Englisch. Mein Kameramann ist aus Kalifornien, aus San Diego, lebt aber in Berlin. Mein Cutter bzw. mein Cutterteam kommt aus Island, lebt jetzt aber in L.A.. Mein Film wird also direkt in L.A., in Hollywood geschnitten. Bei dem Team muss was ganz neues rauskommen. Wir gehen das ganz anders an und ziehen das ganz anders auf. Wir kommen aus dem Musikjournalismus. Deshalb ist Musik unser Ansatz und unser tragendes Element.

tip Wiem stellst Du Dir Deine Zukunft vor?
Diana Frankovic Ich habe Blut geleckt und merke auch, dass ich das kann. Ich ziehe das durch. Ich arbeite bereits an Film Nummer Zwei. Die Ideen sprudeln. Im September will ich den Teaser dazu drehen. Ich arbeite so viel beim Radio, dass ich davon gut leben kann und dass ich mir meinen Filmtraum verwirklichen kann. Ich will nicht mehr nebenbei arbeiten als nötig. Denn ich will meinen Traum verwirklichen und das ist Film. Ich habe da großes Glück mit meinem Job, dass ich die Zeit habe und genug Geld verdiene, um an meinen Filmprojekten zu arbeiten.

Interview: Susan Schiedlofsky

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