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Junge Filmemacher im Interview: Isabell Љuba

Isabell Suba

tip Frau Љuba, wie sind Sie Filmemacherin geworden?
Isabell Љuba?Bei mir war das so, dass ich schon im Kindergarten immer alle Kinder wachgehalten und Geschichten erzählt habe, von denen ich dann selbst nicht einschlafen konnte. Es gab dann später einen wesentlichen Moment: Als ich „Bound“ von den Wachowski-Brüdern sah, die später „The Matrix“ drehten, da habe ich begriffen, dass Film ein Handwerk ist, dass man damit Geschichten zum Leben erwecken kann. Ich wusste auch da noch nicht genau, was eine Regisseurin ist, aber ich wusste, dass ich das werden wollte.

tip Wann wurde dieser Entschluss praktisch?
Isabell Љuba Mein Bruder bekam irgendwann eine Kamera geschenkt, die ich ihm wohl entwendet habe. Als er dann schon nicht mehr dran dachte, war sie in meinen Besitz übergegangen. Bis ich zur Filmschule ging, habe ich mein ganzes Leben aufgenommen. Ich war der klassische Außenseitertyp bis zu einem Alter, in dem ich meine Leute gefunden habe. Zwischen 16 und 23 hatte ich bei allem, bei jedem Treffen, diese Hi8-Kamera dabei. Ich habe auch eine ganz entrückte Vorstellung von dieser Zeit, weil ich alles durch den Bildschirm gesehen habe. Irgendwann hast du einen Ring um die Augen, haben meine Freunde gesagt. Wie ein Pandabär.

tip Das klingt wirklich nach Berufung.
Isabell Љuba Na ja. Meine Familie hat die Krise gekriegt, als ich mit meinem Plan herausrückte, Film zu studieren. Die wollten, dass ich was Ordentliches mache. Ich ging also an eine Kunsthochschule für Mediendesign, für die Filmhochschule war ich ohnehin noch zu jung. Dann gab es auch noch ein Praktikum bei X-Filme. Da traf ich auf die ganzen großen Männer: Roehler, Becker, Levy. Ich war megabeeindruckt, dachte mir aber zugleich: Gott, gibt es denn auch Frauen in diesem Business?

tip War der Schritt an die Filmschule leicht?
Isabell Љuba Ja und nein. Ich habe mich für Potsdam entschieden, hatte allerdings totale Angst vor diesem Riesenmythos und wollte es deswegen nur ein einziges Mal probieren. Entweder oder. Hätte es nicht geklappt, hätte ich wahrscheinlich Geologie studiert oder so. Aber es hat ja geklappt, und ich möchte mir gar nicht überlegen, was gewesen wäre, wenn ich nicht genommen worden wäre. Denn ich bin total addicted. Es hätte mich ganz schön mitgenommen. Denn das hätte geheißen: Du bist nicht gut genug.

tip Die Schule machte aber Sinn?
Isabell Љuba Ich bin absolut pro Filmschule. An der HFF kann man sich so anarchisch bewegen, es ist eine tolle Community, man kann viel ausprobieren, man kriegt wahnsinnig viel Unterstützung. Wenn man der Typ ist, dass man sich selbstständig gut organisieren kann, ist das ein gutes Sprungbrett. Man muss sich aber abgrenzen können, man muss aushalten, dass es Bewertungen gibt, denn da gibt es für alle manchmal einen Niederschlag. Da darf man nicht drin stecken bleiben. Wir gingen alle sehr sportlich mit Konkurrenz um, es gibt aber auch Klassen, wo ?die Leute sich da schon im Weg stehen.

tip „Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste“ ist aus dem Studium heraus entstanden.
Isabell Љuba 2012 war ich in Cannes mit einem Kurzfilm eingeladen und dachte mir: Jetzt ist die Chance, jetzt musst du weg vom Schreibtisch. Und tatsächlich: Zwei Jahre später kommt der heraus, den wir damals in Cannes drehten. Ich hatte schon ein Gefühl, dass es gut werden könnte.

tip Wird es auch gut weitergehen?
Isabell Љuba Wer kann das wissen? Aber ich zieh mir lieber jede Nacht die Existenzängste rein. Es hängt halt alles davon ab, wie viele Stoffe man in sich drin hat.

Interview: Bert Rebhandl

Foto: missing Films

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