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Junge Filmemacher im Interview: Maximilian Erlenwein

Maximilian Erlenwein

tip Herr Erlenwein, woher kam Ihr Wunsch, Filmemacher zu werden?
Maximilian Erlenwein Der kam relativ spät, weil das früher so weit weg war, so ein Traumberuf. Ich dachte, dass ich das eh nicht schaffe, dass das nur was für Genies sei. Mein Vater hat mich freitagnachmittags immer mit ins Kino genommen, Filmliebe war also schon immer da.

tip Wie verlief die Ausbildung?
Maximilian Erlenwein Erst hab ich alles Mögliche in Marburg studiert, auch Filmwissenschaft, hab dann aber gemerkt, dass das nichts für mich ist. Dann bin ich nach Berlin gezogen, mit dem diffusen Wunsch, zum Film zu kommen, hab Praktika gemacht, auch paar ganz schlimme Sachen wie eine „Musikantenstadl“-Show. Dann bin ich zum Fernseh-Kameramann ausgebildet worden, habe Dokus und Reportagen gefilmt. Dann wurde ich an der DFFB genommen.

tip Ist eine Schule wichtig oder ist das Leben wichtiger?
Maximilian Erlenwein Die Filmhochschule vereinfacht so einiges und war auch eine schöne Zeit. Man lernt super viel. Es ist aber am Anfang nicht leicht, den eigenen Stil zu finden, weil man mit so vielen Dozenten konfrontiert wird, die eigene Einstellungen zum Film haben. Ich hab aber auch viel davon profitiert, dass ich vorher schon Reportagen gemacht habe. Dadurch hab ich ganz fremde Milieus kennengelernt. Ich hab Mörder interviewt, Esoterik-Freaks, die strangesten Leute. Das war auch gut.

tip Ist das Kino eine Schule?
Maximilian Erlenwein Ja klar. Das ist das Allerwichtigste: Filme gucken.

tip Wie viel Berlin fließt in Ihre Filme ein?
Maximilian Erlenwein Ich lebe ja in Prenzlauer Berg, das hat mit dem echten Leben überhaupt nichts zu tun. (lacht) Ich glaub, ich könnte rein kreativ auch woanders leben. Das würde keinen großen Unterschied machen. Ich leb halt gerne in Berlin. Hier sind meine Freunde und Kontakte.

tip Kamen denn schon Anrufe aus Hollywood?
Maximilian Erlenwein Ja, nach „Stereo“. Leute haben den auf der Berlinale gesehen. Extrem surreale Gespräche. Die Amerikaner loben einen erst immer über den Klee. Erst mal klingt das toll: Hollywood ruft an. Aber ob aus einem der Projekte überhaupt was wird, steht noch in den Sternen. Die Drehbücher sind oft wirklich Trash.

tip Wie viele Ihrer Filme sind denn schon fertig?
Maximilian Erlenwein Zwei lange Filme, fünf Kurzfilme, mehr oder weniger ernst zu nehmende. Und viele Übungen an der Filmhochschule. Und Werbe-Clips. Insgesamt vielleicht 30.

tip Wie wurden Sie finanziert?
Maximilian Erlenwein An der Filmhochschule macht man ja einfach, auch ohne Geld. Die Langfilme sind durch Fernseh-Koproduktion finanziert und klassisch durch Filmförderung. Der Rest sind Auftragsjobs.

tip Können Sie eigentlich vom Filmemachen leben?
Maximilian Erlenwein Ja, aber ich hab auch keinen so hohen Lebensstandard, zwar Prenzlauer Berg, aber mit ganz altem Mietvertrag. Sonst würde ich hier nicht wohnen.

tip Hätten Sie einen Rat für angehende Filmemacher?
Maximilian Erlenwein Dreimal überlegen! Es ist schon ein sehr harter Wettbewerb. Man muss über viele Hürden springen. Man muss es wirklich lieben, nicht einfach nur, weil es toll klingt. Und die Filmhochschule würde ich empfehlen.

Interview: Stefan Hochgesand

Foto: Stephan Rabold / Frisbee Films / Wild Bunch Germany 2014

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