Kino & Stream

„Jungs bleiben Jungs“ im Kino

Die erste Liebe bringt viele Fragen mit sich: Ist das jetzt schon die Frau (oder der Mann) fürs Leben? Gibt es überhaupt ein Leben nach dem ersten Kuss? In welche Richtung soll der Junge seine Zunge drehen, wenn sie an die Zunge des Mädchens stößt? Die Antworten darauf werden unterschiedlich ausfallen, je nach­dem, ob sie von Jungen oder Mädchen kommen. Der französische Regisseur und Comicautor Riad Sattouf konzentriert sich in seinem ersten Film „Les beaux gosses“ auf die Perspektive von männlichen Teenagern, deswegen macht es auch Sinn, dass der deutsche Titel einfach „Jungs bleiben Jungs“ lautet.
Vor allem zwei Jungs stehen im Mittelpunkt: Hervй und ­Camel, die beide in einem typischen Wohnbau am Rande von Rennes leben. Hervй ist 14, er trägt fast jeden Tag denselben Pullover, der auch deswegen ein wenig komisch riecht, weil vom Balkon des Nachbarn immer seltsame Substanzen heruntertropfen.
Hervй (Vincent Lacoste) lebt mit seiner depressiven, distanzlosen Mutter (großartige Rolle von Noйmie Lvovsky) auf kleinem Raum und kann gewöhnlich nicht einmal in Ruhe mas­turbieren. In der Schule spricht ihn eines Tages aus heiterem Himmel die blonde Aurore an, die aus bürgerlichen Verhältnissen stammt und ihn trotz (oder auch wegen?) seines dämlichen Haarschnitts süß findet.
Diese Liebesgeschichte, vor allem aber die vielen Fragen, die sich daraus ergeben, werden in „Jungs bleiben Jungs“ erzählt, und zwar mit einer angemessenen Schonungslosigkeit, die sich aber immer wieder in komischer Erleichterung auflöst. Die Pubertät ist nun einmal eine harte Zeit, und Riad Sattouf interessiert sich nicht nur für die Dramen der Identität, sondern auch für kulturelle und soziale Umstände (Camel ist Araber, die Lehrer ­haben nicht weniger Probleme als die Schüler), die er aber wie ­nebenbei miterzählt. Das Ergebnis ist eine leichte, stellenweise gut zotige Komödie, die zugleich eine präzise Bestandsaufnahme der dezidiert liberalen französischen Gesellschaft gibt.

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Jungs bleiben Jungs“ im Kino in Berlin

Jungs bleiben Jungs (Les beaux gosses), Frankreich 2009; Regie: Riad Sattouf; Darsteller: Vincent Lacoste (Hervй), Noйmie Lvovsky (Hervйs Mutter), Anthony Sonigo (Camel); 88 Minuten

Kinostart: 1. Juli

Mehr über Cookies erfahren