Arthouse-Fantasy

„Jupiter’s Moon“ im Kino

Der ungarische Regisseur Kornel Mundruczó nimmt sich viel vor: Er will eine Geschichte vom Höhepunkt der europäischen Flüchtlingskrise erzählen, aber auch Autorenkino mit dem Superheldenkino in ein Spannungsverhältnis setzen

Proton Cinem/ Match Factory Productions

Der Arzt Dr. Stern kommt eigentlich nur an die serbisch-ungarische Grenze, weil er dort Menschen aufliest, die er (gegen Bestechung) in Krankenhäuser einweisen lässt – auf diese Weise erspart er ihnen den Aufenthalt in Auffanglagern und gibt ihnen eine Wartezeit auf die Hoffnungslosigkeit danach.

Eines Tages stößt er auf einen jungen Syrer aus Homs, der von zynischen Grenzschützern angeschossen wird: Aryan stirbt nicht an seinen Verletzungen, sondern gewinnt daraus übernatürliche Kräfte. Er kann schweben und fliegen, und er kann das Schwerkraftregime ganz schön durcheinander bringen. Stern, dem es vor allem um Geld geht, versucht Aryan zu einem steuerbaren Instrument zu machen, wird aber allmählich selbst von den Engel-Qualitäten seines Schützlings berührt.

Der ungarische Regisseur Kornel Mundruczó („Underdog“) nimmt sich in „Jupiter’s Moon“ ganz schön viel vor: Er will eine Geschichte vom Höhepunkt der europäischen Flüchtlingskrise erzählen (die Szenen in diesem Zusammenhang sind entsprechend hektisch und tumultuös), er will aber auch das europäische Autorenkino mit dem US-amerikanischen Superheldenkino in ein konstruktives Spannungsverhältnis setzen, und zwar so, dass das kritische Menschenbild und die Spezialeffekte gleichermaßen voneinander lernen. „Jupiter’s Moon“ hat einige beeindruckende kleinere Raumzertrümmerungen, bleibt schließlich aber im Niemandsland zwischen den Genres und Formaten doch eher auf der Strecke. Bert Rebhandl

Jupiter’s Moon HUN/D 2017, 129 Min., R: Kornél Mundruczó, D: Merab Ninidze,  Zsombor Jéger, György Cserhalmi, Móni Balsai, Start: 22.11.

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