Kommentar

„Kampf um die Formate“ von Bert Rebhandl

Inzwischen ist es auch schon wieder eine ganze Weile her, dass dauernd das Ende des ­Kinos beschworen wurde. Zufälligerweise war die entsprechende Stimmung rund um den hundertsten Geburtstag des Kinos im Jahr 1995 auf einem Höhepunkt

Bert Rebhandl

Seither hat sich nicht viel getan, außer dass das Durchschnittsalter der Kinobesucher­innen und -besucher doch deutlich ansteigt.
Was einen Filmkritiker aber doch gelegentlich wieder einmal deutlich ins Sinnieren bringen könnte, das sind all die neuen Kurzfilmformate in den sozialen Netzwerken. Ich gehöre ja zu einer Generation, die noch mit dem Verdacht aufwuchs, das Fernsehen könnte irgendwie dem wahren Kino abträglich sein. Was soll man dann aber dazu sagen, was so ein GIF mit dem Kino macht? Ist das noch ein Film, oder nur ein zitterndes Bild? Das entspricht in etwa der Debatte, ob ein Witz eine Geschichte ist, oder bloß ein Gedicht mit einer Pointe.
Während es sich das Kino zwischen Blockbuster-Lärm, Arthouse-Behaglichkeit und Festival-Neugierde irgendwie halb­­wegs eingerichtet hat, tobt da draußen ein technologischer Kampf um die Formate der Zukunft, von dem die Wackelbilder auf Snapchat so etwas wie der Seismograph ohne Skala sind. Irgendein Wischfingerzeig ist das ganz gewiss.

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