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„Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“ im Kino

Dass es so nicht auf Dauer geblieben ist, bildet die Nahtstelle aller seiner Filme. In „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“ macht er nun den Grund deutlich: Der Kapitalismus, als System betrachtet, lässt nämlich nur scheinbar den Wohlstand wachsen, in Wahrheit wächst nur der Reichtum derer, die schon Geld haben, und auch dann nur, wenn anderswo die Löhne sinken und die Leistungen gekürzt werden.
Die Dreharbeiten fielen in die letzten Monate des Jahres 2008. In den USA herrschte Wahlkampf, zugleich musste der Kongress die schwer angeschlagenen Banken und Versicherungen retten. Die große „Raushaue“ (der bailout) ist das zentrale Thema von „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“. Moore findet sogar einige Kongressabgeordnete, die in deutlichen Worten die gigantische Umverteilung von Volks- auf Bankvermögen anprangern, die da im Gange ist.
Der Film verwickelt sich dabei in einige Wider­sprüche, denn Moore ist ganz offensichtlich ein Fan von Barack Obama, hat für wichtige Mitglieder von dessen Team aber wenig übrig, weil er sie für Handlanger der Wall Street hält. Inzwischen wissen wir, dass der Präsident sich schwerer tut als der Filmemacher, zwischen Realpolitik und Vision zu vermitteln. Michael Moore hält auch in „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“ an seinem Aktionismus fest, er fährt an der Wall Street vor, um die Händler in „Volksarrest“ zu nehmen. An der entscheidenden Stelle aber lässt er einen wirklich großen Präsidenten sprechen: Franklin Delano Roosevelt, der einen Ausgleich zwischen Arbeit und Kapital beschwört, der aus heutiger Sicht wie eine Utopie klingt.

Lesen Sie hier: Michael Moore im Interview 

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“ im Kino in Berlin

Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte (Capitalism: A Love Story), USA 2009; Regie: Michael Moore; Farbe, 120 Minuten

Kinostart: 12. November

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