Kino & Stream

„Karate Kid“ im Kino

Karate KidDer Titel ist eigentlich irreführend: Zwar wird in der neuen Verfilmung des 83er Kinohits „Karate Kid“ erneut ein Junge von Rowdies terrorisiert, bis er Kampfsport lernt und am Ende bei einem Turnier triumphiert. Aber diesmal geht es nicht um japanisches Karate, sondern um chinesisches Wushu, im Westen üblicherweise Kungfu genannt. Die im Original von Noriyuki ­Morita gespielte Rolle des Hausmeisters, der dem Jungen die Kampfkunst beibringt, hat nun Jackie Chan übernommen. Die Dreharbeiten fanden komplett in China statt.
Das überlange und schleppend beginnende Remake dient vor allem als Kinderstarvehikel für den Sohn des Hollywood-Promipaares Jada und Will Smith, die als Produzenten dafür sorgten, dass der Film ihrem niedlichen Sprössling Jaden auf den schmächtigen Leib maßgeschneidert wurde. Mit seinen elf Jahren  war Jaden beim Dreh deutlich jünger als Karate Kid Ralph Macchio anno 1983 – Jadens kleinmädchenhaftes Aussehen mit Zöpfchen machen es einem schwer, ihn als beinharten Kungfu-Fighter ernst zu nehmen. Seine von echten jungen Wushu-Sportlern gespielten Gegner wirken da glaubwürdiger. Während das mimische Ausdrucksvermögen von Wen-wen Han, die Jadens Freundin in China darstellt, auf penetrantes Dauergrinsen beschränkt ist, verkörpern Jackie Chan als von Schuldgefühlen geplagter Ersatzvaterfigur des puerilen Titelhelden und Yu Rong Gang als bösartiger Kampfschulchef ihre Rollen souverän – die Eastern-Veteranen sollen den Erfolg des Films auf dem riesigen Kinomarkt Ost­asiens garantieren.
Koproduziert wurde „Karate Kid“ von der staatlichen China Film Group, und da die Macht­haber in Peking ihr Land der Weltöffentlichkeit als große ­Kulturnation präsentieren wollen, wird der Kungfu-Knirps ­immer wieder vor beeindruckenden Kulissen wie der monumentalen Kaiserpalastanlage, den malerischen Wudang-Bergen ­mit ihren buddhistischen Klosterbauten und natürlich auf der Großen Mauer gezeigt. „Eine bessere Werbung gibt es nicht“, kommentiert Jackie Chan diese propagandistischen Schaubilder.

Text: Ralph Umard

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Karate Kid“ im Kino in Berlin

Karate Kid (The Karate Kid), USA/China 2010; Regie: Harald Zwart; Darsteller: Jaden Smith (Dre Parker), Jackie Chan (Mr. Han), Taraji P. Henson (Sherry Parker); 140 Minuten

Kinostart: 22. Juli

Mehr über Cookies erfahren