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„Karen llora en un Bus“ im Kino

Karen llora en un bus

Eine junge Frau fährt im Bus durch Bogotб, weint dabei leise in sich hinein. Geflüchtet aus ihrem kleinen goldenen Ehekäfig, steht Karen nun ängstlich vor einer fremden Tür, um dann viel zu viel Geld für ein schäbiges Zimmer zu bezahlen. Mit wenig Gepäck ist sie hier gestrandet, tapferen Mutes bald ihren eigenen Weg zu finden, neue Freunde, ein anderes Leben. Doch zunächst scheint alles hoffnungslos. Die Dusche am Morgen wird für Karen zur Mutprobe. Was ist ekliger: die Schimmelflecken, der dreckige Vorhang oder das Ungeziefer? Karen ist Besseres gewohnt, doch sie hat weder einen Beruf gelernt noch nach zehn Jahren Ehe eine Ahnung, wie sie nun ihren Unterhalt verdienen kann.
Subtil leuchtet der Kolumbianer Gabriel Rojas Vera in seinem Regiedebüt Karens kleines Universum aus, zeigt die konservative Mutter, die sich weigert ihre Tochter aufzunehmen, da sie schließlich zu ihrem Mann gehört. Führt den Mann vor, der so gar nichts von Karen verstanden hat und in seiner sensiblen, von Ibsens Literatur begeisterten Frau nichts anderes als seine Bedienstete sieht. Dass dies viele Männer tun, ist ebenso wenig neu wie die Versuche vieler Frauen, sich von ökonomischen und moralischen Zwängen zu befreien. Trotzdem fesselt dieser unaufgeregt daherkommende Film, der so viel Gespür hat für Karens kleine Schritte und die großen Rückschläge des Lebens.
Durch die Friseurin Patricia lernt Karen das Nachtleben kennen, lässt sich anstecken von deren risikofreudiger Lebenslust, wird zur Bettlerin und Diebin. Und dann ist da noch Eduardo, ein Schriftsteller, dem sich Karen zögernd öffnet. Er will sie mitnehmen nach Argentinien, gerade als Karen endlich einen Job in einer Buchhandlung gefunden hat. Doch als sie sich beinahe schon entschieden hat, sagt Eduardo einen wichtigen Satz, in dem Karens Zukunft steckt.
„Karen llora en un bus“ verzichtet auf feministische Parolen und große Gesten. Die vielen Großaufnahmen saugen sich stattdessen fest an dem ausdrucksstarken Gesicht von Бngela Carrizosa Aparicio, deren Karen sich minutiös verändert. Sie weiß um die Ängste, das gesellschaftliche Korsett, die falschen Bilder von der „richtigen“ Frau. Wie sie zu sich selbst findet, berührt und ermutigt.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Arsenal – Institut für Film- und Videokunst

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Karen llora en un bus“ im Kino in Berlin

Karen llora en un bus, Kolumbien 2011; Regie: Gabriel Rojas Vera; Darsteller: Бngela Carrizosa Aparicio (Karen), Juan Manuel Diaz Oroztegui (Eduardo), Diego Galindo (Cйsar); 98 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 26. Juli

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