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Katrin Gebbes Gewaltdrama „Tore tanzt“

Tore_tanzt_IMG_0570_TORE_JuliusFeldmeierZu Beginn verbreitet Katrin Gebbes Debütfilm sonnige Stimmung: Da trifft ein Trupp punkiger „Jesus-Freaks“ auf der Autobahnraststätte bei Hamburg auf eine Familie und macht deren siechen Bus wieder flott; einfach nur durch das innige Gebet, das der schlaksige Tore in die Motorhaube flüstert. Das macht Eindruck auf Familienvater Benno, der dem Jüngling (ätherisch: Julius Feldmeier) bald seinerseits Hilfe leistet und dem Streuner zudem einen Zeltplatz im Garten der Familie anbietet.

Was zunächst nach glücklicher Fügung ausschaut, schlägt ins Gegenteil um: Hinter dem jovialen Familienoberhaupt verbirgt sich ein Sadist, dessen gewalttätige Seite Tore und Stieftochter Sanny zunehmend krass zu spüren kriegen. Bald blüht Benno auf in seiner Rolle als Herr und Bestrafer seines tiefgläubigen jungen Gastes. Statt auf konkret gezeigte Brutalität setzt Jungfilmerin Gebbe auf präzise durchdeklinierten Psychoterror hinter der Fassade des Harmlosen. Ihr bewegender, allerdings ziemlich auf den Magen schlagender Film wird zum Fallbeispiel des Amoralischen in der menschlichen Natur und möglicher Auslöser, die es zum jähen Ausbruch bringen.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Rapid Eye Movies

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Tore tanzt“ im Kino in Berlin

Tore Tanzt Deutschland 2013; Regie: Katrin Gebbe; Darsteller: Julius Feldmeier (Tore), Sascha Alexander Gersak (Benno Pohl), Swantje Kohlhof (Sanny); 110 Minuten; FSK 16

Kinostart: 28. November

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