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„Keith Haring“ und „With Gilbert & George“ im Kino

Es ist nicht überliefert, ob sich die bildenden Künstler Keith Haring und Gilbert und George jemals begegnet sind. Hätten sie es, wäre das Treffen zweifellos inspirierend gewesen. Denn völlig unabhängig voneinander erzählen nun die Porträtfilme „With Gilbert & George“ und „Keith Haring“ eine gemeinsame Geschichte. Eine Kunstgeschichte der Post-Warhol-Ära, die von Homosexualität, dem Grundrecht auf Kunst und den bedeutendsten Kunstmetropolen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts berichtet: London und New York.
So wie Gilbert und George, die ihre Nachnamen bereits 1967 ablegten, als sie noch an der St. Martin’s School of Art Bildhauerei stu­dierten, kam auch der eine Generation jüngere Keith Haring in einem Provinznest zur Welt. Gefangen in der Eintönigkeit der Kleinstädte zog es die begabten jungen Männer in das jeweilige Zentrum der Welt. Bei Gilbert und George war es Mitte der 60er London. Seit 40 Jahren leben und arbeiten sie dort in einem Haus im multikulturellen East End.
Keith Haring kam 1978 in New York an, studierte an der School of Visual Arts und tauchte bald in der schillernden Schwulenszene des East Village ab. Drogen, Sex, Musik und Kunst flossen in den legendären Clubs zusammen, ein verhängnisvoller Hedonismus, der Haring das Leben kosten sollte. Christina Clausens Porträt reiht chronologisch die Lebensstationen des mit 31 Jahren an Aids verstorbenen Künstlers aneinander. Interviews mit Familienangehörigen und Freunden beleuchten seine aufregende Biografie.
Die Arbeitswut und das Charisma haben sie gemeinsam, die stets elegant gekleideten Gilbert und George sehen im Vergleich zum Hipster Haring jedoch wie Vertreter des Establishments aus. Sie selbst bezeichnen sich lieber als „konservative Anarchisten“. In Julian Coles Dokumentarfilm, an dem er knapp 20 Jahre gearbeitet hat, führt das exzentrische Paar selbst durch sein Leben, das es als Kunst auffasst und sich konsequent in den Mittelpunkt seiner Werke stellt. Mit ihren Performances sind sie in der Kunstwelt bekannt geworden, weltberühmt machten sie die überdimensionalen provokanten Tafelbilder.
Den schmächtigen Haring beschäftigte ebenfalls seine Homosexualität, dazu Comics, Pop-Art und die aufkeimende HipHop- und Graffitikultur, er malte wie ein Besessener, spontan, ohne Skizzen und Vorarbeiten. Seine klaren, von einer archaischen Kraft geprägten Bilder, die in sich verrenkten Fantasiefiguren und Wimmelgrafiken, schmückten Schu­he, T-Shirts, Möbel, einen Teil der Berliner Mauer, eine Kirche in Italien und den Körper von Grace Jones. Frei nach dem Motto von Gilbert und George, die eine „Kunst für alle“ forderten, half auch Haring, den Alltag jenseits von Galerien und Museen mit Bedeutung und Schönheit zu durchdringen. Vor allem davon berichten diese beiden Künstlerporträts.

Text: Jacek Slaski

tip-Bewertung: Sehenswert

 

Orte und Zeiten: „Keith Haring“ im Kino in Berlin

Keith Haring (The Universe of Keith Haring), Italien/Frankreich 2008; Regie: Christina Clausen; Farbe, 82 Minuten

Kinostart: 23. Juli

 

Orte und Zeiten: „With Gilbert & George“ im Kino in Berlin

With Gilbert & George, Großbritannien 2007; Regie: Julian Cole; Farbe, 104 Minuten

Kinostart: 30. Juli

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