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„The Kids Are All Right“ im Kino

The Kids Are All Right

Der 15-jährige Sohn fühlt sich nicht wohl in seiner Haut und hängt mit krawalligen Schulkameraden ab. Die Tochter, 18, sträubt sich gegen den mütterlichen Brutpflegetrieb; das Elternpaar ringt um die Leidenschaft in der routinierten Langzeitbeziehung. So weit alles normal im Leben der amerikanischen Familienrunde in „The Kids Are All Right“. Einzige Abweichung ist, dass das Paar aus zwei Frauen besteht. Den klei­nen Clan macht das nur in einem Punkt verwundbarer als andere: Das System beinhaltet eine unbekannte Größe – den biologischen Vater.
Den würden die Frauen (Julianne Moore und Annette Bening) in Lisa Cholodenkos Beziehungsfilm denn auch am liebsten raushalten aus ihrem gesetzten Leben in L.A. Doch die Neugier der Kinder auf ihre Wurzeln lässt sich nicht länger zügeln. Mark Ruffalo spielt den ungewöhnlichen Erzeuger Paul, der sich schon bei der ersten Begegnung als fantastischer Kerl erweist: ein Bohиme-Freigeist mit Sonnengemüt und Motorrad­klamotten, dazu einem nett aus­sehenden Bio-Restaurant samt Gemüse­acker.
Die Mütter müssen sich der veränderten Dynamik wohl oder übel stellen. Je stärker aber Haupternährerin Nic versucht, die Zügel im Griff zu behalten, umso stärker wird der gefürchtete Kontrollverlust. Bald sind es nicht nur die Geschwister, die sich nach Pauls Nähe sehnen.
Regisseurin Cholodenko, die selbst in einer lesbischen Beziehung mit Kind lebt, zeichnet den Prozess mit einer feinen Mischung aus präziser Beobachtung und natürlichem Humor; ihre Figuren versieht sie mit viel Wärme und Sympathien für ihre Fehltritte.
Den hervorragenden Schauspielern bereitet sie großartige Szenen: so als die spröde Nic beim lauschigen Abendessen in der Patchwork-Runde über eine Entdeckung stolpert, die ihr den Boden unter den Füßen wegreißt – und ihre misstrauische Grundhaltung in anderem Licht erscheinen lässt. Familienverhältnisse sind nie einfach, auch darin unterscheiden sich gleichgeschlechtliche Ehebeziehungen nicht von anderen Partnerschaften, das vermittelt „The Kids Are All Right“ sehr deutlich. Ein politisches Statement, besonders in den USA, wo das Thema gleichgeschlechtliche Ehe immer noch heiß umstritten ist.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „The Kids Are All Right“ im Kino in Berlin

The Kids Are All Right, USA 2010; Regie: Lisa Cholodenko; Darsteller: Julianne Moore (Jules), Annette Bening (Nic), Mark Ruffalo (Paul); 106 Minuten; FSK 12

Kinostart: 18. November

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