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„Kinatay“ und „Lola“ von Brillante Mendoza im Kino

LolaAuf dem Festival in Cannes, wo „Kinatay“ 2009 Weltpremiere feierte und Mendoza mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde, trieb der Film selbst manchen professionellen Kritiker empört aus dem Kino. Man wird dem Film gerechter, wenn man ihn im Zusammenhang mit „Lola“ sieht, der gewissermaßen das Umspringbild und die Ergänzung zu diesem Horrorszenario darstellt. Die Gewalttat, die die beiden greisen Hauptfiguren von „Lola“ verbindet, hat stattgefunden, bevor die Handlung einsetzt. Lola Purings Enkel ist angeklagt, Lola Sepas Enkel bei einem Raub getötet zu haben, aber der so schlicht wie doppelsinnig betitelte Film kreist nicht um die Klärung der Umstände des Verbrechens oder um seine tiefere Bewertung. Für die beiden Frauen ist der Mord der Beginn ihrer Auseinandersetzung, in deren Verlauf die Großmutter des Täters mit einer Geldzahlung die Familie des Opfers zu entschädigen versucht, um einen Prozess zu vermeiden. Die Summe ist kaum aufzutreiben, Lola Sepas Familie lebt wie Lola Purings von der Hand in den Mund.
LolaMendoza folgt den Frauen durch Polizei- station, Gericht, Beerdigungsinstitut und Bezirks­amt und skizziert dabei ganz beiläufig das nachbarschaftliche, familiäre und klientelistische Netzwerk, in dem sie sich bewegen. Wie in allen seinen Filmen registriert der Regisseur die Bilder dieser Welt mit ungeheurer Genauigkeit, immer wieder in Echtzeitsequenzen, während seine Kamera im Rücken der Protagonisten häufig einfach mitläuft. Der für einen europäischen Zuschauer erstaunliche Handel – die Aufhebung der Anklage durch eine Entschädigungszahlung – erscheint dabei mehr und mehr nicht als Defizit des Systems, sondern als besonderes Vermögen einer Gesellschaft, die in ihrer Alltagssphäre aus pragmatischen Gründen Vergebung über Sühne stellt, auch weil die staatlichen Strukturen eine vergleichbare Ordnungskraft gar nicht haben. Der Preis, den Lola Purings Großfamilie für die Freilassung des Enkels bezahlen wird müssen, ist nicht gering. Es ist eine mit neuem Schmerz erkaufte Hypothek. Fällig wird sie im Off der Geschichte.

Text: Robert Weixlbaumer

Kinatay, Philippinen 2009; Regie: Brillante Mendoza; Darsteller: Coco Martin (Peping), Maria Isabel Lopez (Madonna), Jhong Hilario (Abyong); 105 Minuten
Orte und Zeiten: „Kinatay“ im Kino in Berlin
tip-Bewertung: Sehenswert
Kinostart: 15. Juli

Lola, Philippinen 2009; Regie: Brillante Mendoza; Darsteller: Anita Linda (Lola Sepa), Rustica Carpio (Lola Puring), Camille Solari (Lola), Tanya Gomez (Ditas); 110 Minuten
Orte und Zeiten: „Lola“ im Kino in Berlin
tip-Bewertung: Sehenswert
Kinostart: 15. Juli

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