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„Kinder wie die Zeit vergeht“ von Thomas Heise auf DVD

Kinder wie die Zeit vergeht Seine kontrovers diskutierten Porträtfilme „Stau“ und „Neustadt / Stau – Der Stand der Dinge“ hat er mit „Kinder. Wie die Zeit vergeht“ fortgesetzt. Ins Zentrum rückt hier die dritte Generation der Familie aus Halle-Neustadt, die der Regisseur seit Anfang der 90er Jahre begleitet. Heises Filme sind keine Frage-Antwortspiele, sondern Bestandsaufnahme der Gegenwart, ein Speicher von hochverdichteter Atmosphäre, an Wertung nicht interessiert. Die Lebenswege seiner post-proletarischen Figuren fängt Heise dabei mit einer elegischen Formengewalt ein, die mitunter an Viscontis Bilder vom Niedergang des europäischen Bürgertums erinnert, nur das hier der Stoff der Geschichte in den Plattenbau-Ruinen der DDR-Gesellschaft gefunden wird. In Heises jüngstem Film „Material“ (Kinostart: 14. Mai) gibt es ein vielschichtiges Supplement zu dieser Trilogie zu bewundern. Zu sehen ist der von aufgebrachten linken Jungendlichen belagerte Kinosaal in Halle, in dem gerade die Premiere des ersten Films läuft. Fensterscheiben gehen zu Bruch, agitiertes, durchaus angstvolles Herumrennen der Film-Protagonisten im Kinosaal, die angesichts der buchstäblich in die hinterste Ecke gedrängten, erschreckten Zuschauer smart um den Metadiskurs ringen: „Ihr seid ja noch dümmer als wir“.

Text: Robert Weixlbaumer

tip-Bewertung: Herausragend

Kinder. Wie die Zeit vergeht, Deutschland 2008; Regie: Thomas Heise; auf DVD erschienen bei GMfilms

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