Literaturverfilmung

„Kindeswohl“ im Kino

Tagtäglich muss die Londoner Familienrich­terin Fiona Maye schwerwiegende Entscheidungen fällen. In ihrem jüngsten Fall geht es um den 17-jährigen Adam, der an Leukämie erkrankt ist und dessen Eltern als Zeugen Jehovas die Bluttransfusion verweigern.

Concorde Filmverleih

Nach dem britischen Children Act, der das Kindeswohl über alles stellt, kann das Gericht diese anordnen. Richterin Maye sucht Adam im Krankenhaus auf. Einige Zeit später erhält sie einen Dankesbrief von ihm, der jetzt sein ­Leben ohne religiösen Zwang zu schätzen gelernt hat. Doch die Verbindung zwischen den beiden erweist sich als problematisch, stellt doch der Junge an seine Lebensretterin sehr spezielle Anforderungen und schreckt dabei vor Stalking nicht zurück.
Ein Ian McEwan macht noch keinen Sommer: Elf Wochen nach „Am Strand“ kommt mit „Kindeswohl“ die zweite Verfilmung eines Romans des Schriftstellerstars in die deutschen Kinos, erneut hat der Autor seine Vorlage selbst für die Leinwand adaptiert.

Hier gerät eine fortschrittliche Gesetzgebung in Konflikt mit denen, die davon betroffen sind, nicht zuletzt die Richterin, deren berufliche Souveränität im Kontrast zu ihrer privaten ­Unzulänglichkeit steht. Wo der Kontrast im Roman mit Ironie entfaltet wird, wirkt das im Film eher mechanisch – erstaunlich, denn ­Regisseur Richard Eyre („Iris“) ist ebenso literaturerfahren wie mit dem Werk Ian McEwans vertraut. Da helfen auch die exzellenten Darstellerleistungen nur bedingt.

Kindeswohl GB 2017, 105 Min., R: Richard Eyre, D: Emma Thompson, Stanley Tucci, Fionn Whitehead, Start: 30.8.

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