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„The King\s Speech“ im Kino

the_kings-speechMikrophone in Großaufnahmen, verschiedene Fabrikate, verschiedene Formen, doch alle mit dem gleichen Zweck: den Luftschall der menschlichen Stimme in ein elektrisches Signal umzuwandeln, das man verstärken, aufnehmen und senden kann. Für den einen der beiden Männer, die uns zu Beginn von „The King’s Speech“ in einer kleinen Parallelmontage vorgestellt werden, ist es einfach nur ein Arbeitsgerät: kurz die Kehle angefeuchtet, noch ein wenig gegurgelt – und schon spricht der Radiomoderator in klarer Diktion dieses leicht überdeutliche britische Englisch, das man von der BBC her so gut kennt. Für den anderen hat das Mikrofon hingegen eher etwas von einem Menetekel: Wie zu seiner Hinrichtung schleicht Albert (Colin Firth), der Herzog von York, in das vollbesetzte Wembley Stadion, wo er im Oktober 1925 eine Rede zum Abschluss der British Empire Exhibition halten soll. Denn Albert stottert seit seiner Kindheit – und er wird keinen klaren Satz zustande bringen.

Mit dieser Blamage hat Regisseur Tom Hooper auch gleich den Doppelsinn des Filmtitels deutlich gemacht: Der kann nämlich sowohl „des Königs Rede“ als auch „des Königs Sprache“ bedeuten, und tatsächlich geht es um beides. Denn König von England, das wird Albert nach der Abdankung seines Bruders Edward unverhofft noch werden, und als George VI. muss er 1939 der Nation den Kriegszustand mit Hitlerdeutschland verkünden: Seine Radioansprache ist Höhepunkt und dramatische Klammer des Films gleichermaßen.

Dazwischen liegen die Jahre von Alberts Bekannt- und Freundschaft mit dem australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue (Geoffrey Rush): eine im Kern wahre, für den Film jedoch frei ausgestaltete Begebenheit, die ganz vom Zusammenprall zweier unterschiedlicher Menschen aus völlig verschiedenen Sphären lebt. Hier der eher schüchterne und gehemmte Adelige, dort der unkonventionelle Bürgerliche, der, um seinem Patienten zu helfen, dessen Blockaden lösen und ihm zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen muss. Das läuft nicht immer glatt, denn Bertie ist es nicht gewohnt, von sich zu sprechen – und auch nicht, dass man ihm widerspricht. Immer wieder geht es darum, Grenzen auszuloten, die manchmal auch überschritten werden, dabei entsteht ein komischer, dramatischer, menschlich packender und ungeheuer sympathischer Schauspielerfilm: Falls Colin Firth am 27. Februar wirklich mit dem ­Oscar ausgezeichnet wird, für den er in diesem Jahr als klarer Favorit gehandelt wird, dann ist das wirklich mehr als verdient.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „The King’s Speech“ im Kino in Berlin

The King’s Speech Großbritannien/Australien 2010; Regie: Tom Hooper; Darsteller: Colin Firth (König George VI. / Bertie), Geoffrey Rush (Lionel Logue), Helena Bonham Carter (Queen Elizabeth); 118 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 17. Februar

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