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Kinski Talks 2

Kinski talks„Das ist alles so unwichtiger Unsinn„, sagt Klaus Kinski. Gemeint ist die Situation (NDR-Talkshow), gemeint ist das Thema (die eigene Arbeit), gemeint ist tatsächlich: ALLES. Klaus Kinski war kein Mann der Halbheiten. Die drei Gesprächsmitschnitte, die Nachlassverwalter Peter Geyer für die Fortsetzung der DVD-Edition „Kinski Talks“ (Teil 1 erschien 2010) zusammen gestellt hat, legen davon beredtes Zeugnis ab. Eben dies ist auch das eigentlich Faszinierende und Hochkomische an den kinski’schen Verbal-Ergüssen: Dass da einer im erbitterten Kampf um Sinn und Bedeutung von Kommunikation immer wieder unnötig viele Worte macht, auch weil er sich am Zustand der wütenden Erregung über Sinn- und Bedeutungslosigkeit nur allzu gerne selbst berauscht.
Allerdings bietet „Kinski Talks 2“ neben dem erwähnten adrenalinbefeuerten NDR-Talkshow-Auftritt von 1985 auch zwei Beispiele für Situationen, in denen sich der große Mime offenbar um einiges wohler fühlte: Die skandalumwitterte „Zeit zu Zweit“, die Kinski 1982 mit Dйsirйe Nosbusch verbrachte, sowie die auf englisch geführte Unterhaltung, die er 1986 mit dem Dokumentarfilmer Jay Miracle während Dreharbeiten in Italien hatte („Dinocittа“). Mit der 17-jährigen Dйsirйe liegt der fast 60-jährige Klaus auf einer Blumenwiese herum und schäkert, dass es eine Art hat. Und Miracle zwingt er dazu, die Kamera unter den Arm zu nehmen und ihn auf einen Spaziergang übers Studiogelände zu begleiten. In dessen Verlauf spricht er auch über die Zusammenarbeit mit Werner Herzog und gibt indirekt Antwort auf dessen Dokumentarfilm „Mein liebster Feind“. Nicht, dass man danach schlauer wäre, oder der Wahrheit näher … darin gleichen sie einander, Herzog und Kinski, die Großmeister der Vernebelungstaktik.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Sehenswert

Kinski Talks 2, 139 Minuten, erschienen bei Deutsche Grammophon Literatur.

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