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Dokumentarfilm 

Ken Wardrops „Klavierstunden“ gibt einen Einblick in irische Gepflogenheiten

30.000 Iren bereiten sich jedes Jahr auf Klavier­prüfungen vor. Dabei geht es weniger um den Erfolg als um das Spielen an sich

Déjà-Vu Filmverleih

Es mag überraschen, aber in Irland spielen sie sehr gern Klavier. Zu ­Beginn des Dokumentarfilms „Klavierstunden“ informiert eine Texttafel darüber, dass sich jährlich satte 30.000 Iren auf Klavier­prüfungen vorbereiten. Und das bedeutet natürlich: Es wird überall viel geübt. Von jung bis alt, von Achtjährigen, die von ihren Eltern ans Klavier getrieben werden, über mittelalte Männer, die äußerlich als Anhänger des Heavy Metal erkennbar sind, bis zu Senioren, die geistig rege bleiben wollen – die Bandbreite der Klavierschüler, die Ken Wardrop beobachtet, ist in jeder Hinsicht abwechslungsreich.

Schon in früheren Filmen wie „His & Hers“ oder „Mom & Me“ hatte Wardrop sich mit Teilaspekten der irischen Gesellschaft beschäftigt und wählt erneut denselben zurückhaltenden Stil. Rein beobachtend ist seine Herangehensweise, keine Kommentare oder suggestiven Schnitte geben eine Meinung vor. Gedreht wurde ausschließlich in Privathäusern, von denen allerdings kaum mehr als ein Klavier zu sehen ist oder ein Sofa, auf dem kurze Interviews mit Schülern und Lehrern geführt werden, die die Aufnahmen der Klavierstunden ergänzen.

Dabei geht es weniger um den Erfolg als um das Spielen an sich, wie ein Zitat von ­Ludwig van Beethoven im Film andeutet: „Eine falsche Note zu spielen ist unwichtig, aber ohne Leidenschaft zu spielen, ist ­unverzeihlich.“ Wie die Schüler bei ihren Prüfungen abschneiden, das erfährt man konsequenterweise nicht, stattdessen entsteht aus den unterschiedlichen Persönlichkeiten ein unaufdringliches, vielschichtiges Porträt der irischen Bevölkerung.

Klavierstunden IRL 2018, 83 Min., R: Ken Wardrop, Start: 30.1.

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