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„Kleine wahre Lügen“ im Kino

Kleine wahre Lügen

Wenn Max rasend vor Wut eine Wand seiner Villa zu Kleinholz hackt, wirkt er wahnsinnig wie Jack Nicholson bei seiner Axt-Attacke auf die Badezimmertür in „The Shining“. Nur handelt es sich bei diesem französischen Kinohit um keinen eisigen Horror-Thriller wie bei Kubrick, sondern um eine Tragikomödie am sonnigen Atlantikstrand. Doch werden die Spannungen zwischen den Protagonisten allmählich auch immer unerträglicher, der Ferientrip wird zum Psychotrip mit Verzweiflung, Tränen und Tod. Der cholerische Gastronom Max hat eine Handvoll Freunde zum Sommerurlaub eingeladen, der überschattet wird vom Unfall ihres Kameraden Ludo. Er kämpft im Krankenhaus ums Überleben. Bei den Urlaubern treten zunehmend emotionale Verletzungen, Liebesnöte und Lebenslügen zu Tage. Regisseur Canet nennt Kasdans „Big Chill“ als Vorbild für sein Beziehungsdrama und zeigt mit einem exzellent eingespielten Ensemble Menschen in der Lebensmitte, die sich und anderen etwas vormachen, um Probleme zu verdrängen oder Charakterschwächen zu verbergen. Canet unterzog sich vorm Drehbuchschreiben selber einer Psychoanalyse.

Text: Ralph Umard

Foto: Jean-Claude Lother / Tobis Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Kleine wahre Lügen“ im Kino in Berlin

Kleine wahre Lügen (Les Petits Mouchoirs), Frankreich 2010; Regie: Guillaume Canet; Darsteller: François Cluzet (Max Cantara), Marion Cotillard (Marie), Benoоt Magimel (Vincent Ribaud); 154 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 7. Juli

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