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Filmkritik

„Kokon“ von Leonie Krippendorff: Der schönste Berlin-Film seit langer Zeit

Jugenddrama Der Sommer 2018 war heiß. Für die Schwestern Jule und Nora in dem Film „Kokon“ von Leonie Krippendorff bedeutet das: Wann immer es geht, sind sie im Prinzenbad, zwischendurch gibt es auch mal Schule, aber das läuft eher so mit. Einmal gibt es eine Aufgabe: eine Präsentation zu der Frage „Was ist abstrakt?“.

Kokon von Leonie Krippendorff
„Kokon“ von Leonie Krippendorff. Foto: Salzgeber

Nora, die eigentlich noch gar nicht zu den Großen gehört, aber wegen einer Verletzung nicht an einer Fahrt ihrer eigenen Klasse teilnehmen kann, überrascht mit einem künstlerisch anmutenden Vortrag: Sie erzählt von einem Falter, den sie zugleich in einer Lichtinstallation an die Wand projiziert. Zusammen mit den Raupen, die sie daheim im Jugendzimmer aufzieht, ist damit das Bild benannt, dem sich der Filmtitel „Kokon“ verdankt: Leonie Krippendorff erzählt von einer Verpuppung.

Aus Nora (groß: Lena Urzendowsky) wird in diesen Wochen eine junge Frau. Sie verliebt sich in Romy (Jella Haase), eine ältere Mitschülerin, sie erlebt tolle Dinge mit ihr, und auch Enttäuschungen. Und das alles spiegelt sich im Gesicht von Nora wieder, die mit großem Mut, aber auch mit einer bemerkenswerten Intelligenz aus der Rolle des Gruppenbabys heraustritt.

Positive Utopie: Das multikulturelle Kreuzberg in Leonie Krippendorffs „Kokon“

Leonie Krippendorff erzählt in ihrem zweiten Film aus einer Welt, die häufig eher in Krisenberichten auftaucht. Aber das multikulturelle Kreuzberg, mit Jugendlichen, die zur Hälfte in Betonfluchten, zur Hälfte auf Instagram leben, ist in „Kokon“ keineswegs ein Problemmilieu, sondern eine – nicht zuletzt durch ein ausgeprägtes Licht- und Farbkonzept – leicht utopisch akzentuierte, aber niemals kitschige Schule des Lebens.

D 2020; 99 Min.; R: Leonie Krippendorff; D: Lena Urzendowsky, Jella Haase, Lena Klenke; Kinostart: 13. 8. 2020


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