Dokumentarfilm

„Kommunion“ im Kino

Schmerzhaft intim: Ein junger Pole bereitet sich auf seine „Kommunion“ vor

Foto: Peripher Filmverleih

„Selig sind die Armen im Geiste“, hat Jesus unter anderem gesagt, aber er hat dabei wohl nicht konkret an den Jungen Nikodem ­gedacht, der sich in einer kleinen Stadt in ­Polen gerade auf die Erstkommunion vorbereitet. Nikodem ist geistig behindert, in ­seinem Kopf geht manches zu schnell, anderes zu langsam. Er braucht Betreuung, und diese Aufgabe bleibt an Ola hängen, seiner älteren Schwester, die eigentlich viel zu jung ist, um die Aufgabe eines Familienoberhaupts zu übernehmen.
Aber es bleibt ihr nichts anderes übrig: Der Vater, der zu Hause meist vor dem Fernseher sitzt und die bescheidene Wohnung vollqualmt, trinkt immer mal wieder zuviel, die Mutter ist längst weg, den Bruder kann man eigentlich keine Minute allein lassen.
Olas prekäre Familie steht im Mittelpunkt von „Kommunion“, dem Dokumentarfilm von Anna Zamecka. Auf mustergültige Weise kann man hier sehen, wie eine Filmemacherin Nähe zu ihren Figuren schafft, und was sich daraus ergibt: ein immer wieder schmerzhaft intimes Porträt von Menschen, denen das Leben ständig über den Kopf zu wachsen scheint. Vieles bleibt hier nur angedeutet, das ist wohl der Preis für die zahlreichen eindrucksvollen ­Momente, die Anna Zamecka im Lauf eines Jahres mit Ola und Nikodem aufgezeichnet hat. Sie stellt die Menschen niemals bloß, lässt uns aber auf eine manchmal auch bedrückende Weise an ihnen Anteil nehmen. Hier wird gezeigt, wozu dokumentarisches Kino in der Lage sein kann.

Komunia (OT) PL 2016, 73 Min., R: Anna Zamecka, Start: 4.5.

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