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„König von Deutschland“ mit Olli Dietrich

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Einen perfiden Fall von Spionage der Privatsphäre zeigt diese gelungene Satire auf Machenschaften von Meinungsforschungsinstituten und den Typ des deutschen Otto Normalverbrauchers sowie – zeitlich passend zum Bundestagswahlkampf – auf verlogene, populistische Politiker auf Stimmenfang. Nach 23 Jahren im Dienst eines Unternehmens wird der spießige Familienvater Müller überraschend entlassen. Jäh aus dem Alltagstrott gerissen und zudem mit 300?000 Euro Schulden für den Bau eines Eigenheims belastet, kommt Müller auf suizidale Gedanken. Er schöpft neuen Lebensmut, als er vom windigen Leiter einer dubiosen Firma einen vermeintlichen Traumjob erhält, bei dem er kaum arbeiten, aber viel saufen und shoppen muss, alles auf Spesen. Im Alkohol- und Konsumrausch wird auch die Libido des Schlappschwanzes wiederbelebt, der zunächst nicht merkt, dass er von skrupellosen Demoskopen ausgehorcht und rund um die Uhr beobachtet wird. Denn Müllers Vorlieben und Ansichten als „stinknormaler Durchschnittsdeutscher“ sind gefragt, um Produkte auf dem Markt zu lancieren und einem Politiker zum Wahlsieg zu verhelfen.

Der Autorenfilmer David Dietl, als in Los Angeles, Paris und München aufgewachsener Sohn des prominenten Regisseurs Helmut Dietl alles andere als ein Durchschnittsdeutscher, konnte – wohl nicht zuletzt über gute Beziehungen seines Vaters – mit Olli Dittrich und Veronica Ferres zwei namhafte Stars für seinen dffb-Abschlussfilm engagieren. Dabei wirkt Dittrichs Darstellung der Hauptfigur zunächst schusselig überzeichnet. Erst als Müller ahnt, dass er ausgenutzt wird, bekommt der Schauspieler seine Rolle richtig in den Griff. David Dietl hat Charakteristika einer typischen Kleinbürgerfamilie in vielerlei Hinsicht stimmig dargestellt; manch einer wird sich auf die eine oder andere Art in den Verhaltensweisen oder Ansichten einzelner Familienmitglieder wiedererkennen. Ob Bayern München allerdings, wie im Film behauptet, die beliebteste Fußballmannschaft Deutschlands ist, und nicht Borussia Dortmund, wäre demoskopisch zu überprüfen.

Text: Ralph Umard

Foto:Stephan Rabold / Frisbee Films

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „König von Deutschland“ im Kino in Berlin

König von Deutschland Deutschland 2013; Regie: David Dietl; Darsteller: Olli Dittrich (Thomas Müller), Veronica Ferres (Sabine Müller), Wanja Mues (Stefan Schmidt); 97 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 5. September

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