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„Kümmel baut“ im Kino

Kuemmel_bautEin bisschen leitet der Filmtitel in die Irre. Natürlich: Der deutsche Bauingenieur Hermann Kümmel baut tatsächlich, und zwar ein Einkaufscenter im ostpolnischen Rzeszуw. Doch der Film von Paul Hadwiger ist eben nicht nur ein Porträt seines Namensgebers, der sich vom sozialistischen Aufbauhelfer in Nicaragua zum kapitalistischen Unternehmer gewandelt hat, sondern interessiert sich in gleicher Weise für andere Menschen, die mit dem Projekt zu tun bekommen: Kümmels Mitarbeiterin, die polnische Managerin Viola Wojnowski, die ihre private Zukunft lieber in Deutschland sucht, den Journalisten Antoni Adamski, der mit seinem Wunsch nach detaillierten Antworten zum Center auf Granit beißt, sowie den Kioskbetreiber Krzysztof Madej, der fünf Jahre lang direkt auf die Baugrube blickt und sich am Ende um seine Existenz gebracht sieht. Aus dem Material hat Hadwiger nun keinen simplen Anti-Shoppingcenter-Film gemacht, sondern eine Geschichte über ganz verschiedene Lebensentwürfe, die niemanden denunziert.

Das ist nicht uninteressant, doch manchmal hätte man sich an den überall im Film auftretenden Konfliktlinien schon ein wenig mehr Nachhaken mit größerer Schärfe gewünscht. Aber auch so gibt es einige wunderbare Sequenzen, etwa wenn der
Investor und die Managerin auf dem selbst geschaffenen Betonklotz stehen und die Szenerie plötzlich ganz surreal finden.

Text: Lars Penning

Foto: Maxim Film

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Kümmel baut“ im Kino in Berlin

Kümmel baut Deutschland 2011; Regie: Paul Hadwiger; 92 Minuten; FSK 0

Kinostart: 18. August

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