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Künstlerporträt: „Tinguely“

Jean_TinguelyMit seinen kinetischen Objekten und Maschinenskulpturen hat der 1991 verstorbene Schweizer Jean Tinguely einen herausragenden Platz in der künstlerischen Nachkriegsmoderne erlangt. Tinguely schuf – oft nicht ohne Witz – aus Schrott und Alltagsgegenständen „sinnlose“ Maschinen, die Wasser verspritzen, Bälle werfen, sich selbst zerstören oder auch einfach nur ins Leere laufen. „Collagen im Raum“ nennt sie der Ausstellungskurator Guido Magnaguagno in Thomas Thümenas Dokumentation über den Künstler, die sich im Gegensatz zu den anarchistischen Ideen Tinguelys allerdings arg konventionell gestaltet.

Trotz einiger interessanter alter Aufnahmen mit Interviews und von Ausstellungen des Künstlers sowie Gesprächen mit einer Kunsthistorikerin bleibt der Film eher dem Anekdotischen verhaftet, die Einordnung Tinguelys in die Kunst der Moderne gelingt nicht. Vorläufer in Sachen kinetischer Kunst und Metallskulpturen wie Moholy-Nagy und Julio Gonzalez oder die zeitgenössischen Happenings des mit Tinguely befreundeten Yves Klein bleiben gänzlich unerwähnt, dafür erfährt man etwas über Tinguelys Frauengeschichten und seine Liebe zu Autorennen. Die verengte Perspektive wird zur Falle: Letztlich bekommt man nicht den Eindruck, Tinguelys Kunst wirklich nähergekommen zu sein.    

Text: Lars Penning
Foto: Film Kino Text
tip-Bewertung: Zwiespältig

Tinguely im Kino in Berlin
Schweiz 2011; Regie: Thomas Thümena;
89 Minuten; FSK k.A.;
Kinostart: 17. Mai

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