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„Küss den Frosch“ im Kino

Es ist kaum vier Jahre her, dass man bei Disney vollmundig verlautbaren ließ, Abschied vom traditionellen Zeichentrick zu nehmen und in Zukunft nur noch Computeranimationsfilme herstel­len zu wollen. Kurze Zeit später kam es zur Fusion mit den Computeranimationsgenies von Pixar, deren Chef John Lasseter die Verantwortung für Disneys Trick­sparte übernahm – und nun ist die gute alte Handzeichnung in Gestalt des Märchenmusicals „Küss den Frosch“ überraschend zurück. Regie führten dabei mit Ron Clements und John Musker jene Trickkünstler, die mit „Arielle, die Meerjungfrau“ Ende der 1980er Jahre bei Disney den Grundstein für ein folgendes Jahrzehnt voller künstlerischer und kommerzieller Erfolge legten.
Animationstechnisch betrachtet ist „Küss den Frosch“ eine grundsolide, aber sicher keine überragende Arbeit – interessant wird es immer dann, wenn sich die Zeichenkünstler an den Hin­ter­gründen eines imaginären New Orleans der 1920er Jahre austoben können oder große Musical-Traumsequen­zen mit üppigem Detailreichtum in Szene setzen dürfen. Die beiden Hauptfiguren, die den größten Teil des Films als verzauberte Frösche verbringen müssen, wirken indes eher blass – wieder einmal sind in einem Disney-Film die Schurken und die komischen Sidekicks (wie der Trompete spielende Alligator Louis) die deutlich spannenderen Figuren.
In die Geschichte eingehen wird der Film deshalb wohl eher als erstes Disney-Werk, das mit Tianna – reichlich überfällig – eine afroamerikanische Hauptfigur in den Mittelpunkt rückt. Dass ein derartiges Vorhaben allerdings mit Tretminen gespickt ist, zeigt die Rassismus-Debatte, die den Film bereits im Vorfeld seiner Veröffentlichung ereilte. Vielen Beobachtern erschien der Prinz aus dem Märchenland Maldonien nicht schwarz genug, zudem erreichten amerikanische PC-Lobbyisten, dass der eventuell missverständliche Filmtitel „The Frog Princess“ in „The Princess and the Frog“ geändert wurde und Tianna statt einer Betätigung als Hausbediens­tete der deutlich selbstständigere Beruf der Kellnerin zugestanden wurde.
Der fertige Film ist nunmehr peinlich darum bemüht, absolut niemandem auf den Schlips zu treten – mit dem Ergebnis, dass das hier gezeichnete Südstaaten-Amerika der 1920er Jahre, in dem es weder Segregation noch Rassismus gibt, noch viel merkwürdiger wirkt als eine auch nur ansatzweise realistische Schilderung. Stattdessen zeigt der Film lauter fröhliche Schwarze, die in bescheidenem Wohlstand zu leben scheinen und die reichsten Weißen von New Orleans zu ihren Freunden zählen. Den als Publikum avisierten zehnjährigen Möch­tegern-Prinzessinnen mag es vielleicht egal sein, doch eine Chance wurde hier eindeutig vertan.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Küss den Frosch“ im Kino in Berlin

Küss den Frosch (The Princess and the Frog), USA 2009; Regie: John Musker und Roger Clements; deutsche Stimmen: Cassandra Steen,
Roger Cicero, Marianne Rosenberg; Farbe, 97 Minuten

Kinostart: 10. Dezember

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