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„L.A. Zombie“ im Kino

LA_ZOMBIEPopkulturell ist der Zombiefilm längst Schneematsch von Vorgestern. Seit Jahren haben sich die plakativen Pizzagesichter im Kino und in Videospielen etabliert. Unzählige Zombieschinken überschwemmen derzeit den übersättigten DVD-Markt. Mit „The Walking Dead“ steht gar eine Zombie-TV-Serie in den Startlöchern. Dieses oft uninspirierte Überangebot an Zombie-Kost hat zur Folge, dass der von George A. Romero vor mehr als 40 Jahren mit bissiger Sozialkritik unterfütterte Zombiefilm ¬heute so hirn- und untot ist wie seine Protagonisten. Will man die Subversion zurück ins Genre bringen, ist es nur konsequent, Horror mit dem noch verpönteren Porno zu kombinieren.

Das hat der kanadische Filmemacher Bruce LaBruce schon mit seinem charmanten schwulen Zombiefilm „Otto; Or, Up With Dead People“ getan. Dem Gesetz der Serie folgend, tut er es mit „L. A. Zombie“ gleich noch einmal. Am Strand von Los Angeles entsteigt ein nackter strammer Bodybuilder-Zombie dem Meer. Er ist kein nach warmem Menschenfleisch gierender Todesbringer wie seine fauligen Genrekollegen, sondern ein mit seinem blutigen Ejakulat Leben spendender Erlöser. Er stößt sein monströses Geschlechtsteil in die offenen Wunden tödlich Verunglückter und Ermordeter und erweckt sie zu neuem Leben. Das hat man so noch nicht gesehen. Mehr Plot braucht LaBruce nicht als Rechtfertigung für eine performative Aneinanderreihung von Zombie-Sexszenen in infernalischem Ambiente. Nüchtern betrachtet ist „L.A. Zombie“ trotz seiner originellen Umdeutung der Zombiefigur in einen Heilsbringer nicht mehr als ein Schwulenporno mit Halloweenmasken. Also nicht aufregen.

Text: Jörg Buttgereit

Foto: Arno Roca

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „L.A. Zombie im Kino in Berlin“

L.A. Zombie USA 2010; Regie: Bruce LaBruce; Darsteller: François Sagat (Zombie), Rocco Giovanni (Unfallopfer), Wolf Hudson (Erschossener); 63 Minuten

Kinostart: 7. Oktober

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