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„La Bocca del Lupo“ im Kino

La Bocca del Lupo

Wie Genuas Gefängnisse von innen aussehen, wissen naturgemäß nur wenige. Dass es dort aber extrem unangenehm sein muss, wenn man ist wie Mary Monaco, kann man auch ohne Haft-Erfahrung abschätzen: Seinerzeit wegen Drogenbesitzes verknackt, ist Monaco ein in die Jahre gekommener Transsexueller – ein Outlaw unter Outlaws. Ihn hat Filmemacher Pietro Marcello für sein Langfilmdebüt aufgespürt, lässt den Senior erzählen von seiner Zeit als Gefangener und von der erlösenden Begegnung mit dem Mitinsassen Enzo, der Liebe seines Lebens. In Interviewszenen berichten die beiden von ihrer wundersamen Freundschaft: wie der machohafte Gangster-Typ im Gefängnis zum respektierten Beschützer des zart besaiteten Mary wurde, wie sich das Pärchen in seinen alten Tagen ein kleines Zuhause vor den Toren der Stadt einrichtet. Die Erinnerungen verknüpft der Filmemacher mit aus dem Off gelesenen Passagen aus alten Briefen, in denen sich die beiden liebevoll „bastardo“ nennen. Einem Drehbuchschreiber würde man diese unglaubliche Love­story kaum abkaufen, die Marcello an den schattigsten Rändern seiner Heimatstadt aufgespürt hat – und die er sensibel in die Stimmung der verfallenden Stadt taucht.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „La Bocca del Lupo“ im Kino in Berlin

La Bocca del Lupo, Italien 2009; Regie: Pietro Marcello; 75 Minuten

Kinostart: 21. Oktober

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