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„La Danse“ im Kino

Auch in seinem 38. Film seit 1967 bleibt sich der amerikanische Dokumentarfilmer Frederick Wiseman treu: Wie die meisten seiner Filme ist auch „La Danse – Le Ballet de l’Opйra de Paris“ ein Film über eine Institution. Rund zweieinhalb Stunden sieht man den Tänzern und Choreografen bei ihrer harten Arbeit zu, auch Ausschnitte aus den fertigen Bühnenproduktionen werden gezeigt. Dazwischen gibt es kurze Einblicke in die Kantine, in Werkstätten wie die Kostümschneiderei, man sieht Businessmeetings der künstlerischen Leiterin, es geht um Sponsoren und Rentenfragen.
Und wie immer verweigert sich Wiseman dabei allem, was dem Publikum die Identifikation erleichtern würde, was seinen Film gefälliger und leichter konsumierbar machen könnte: Es gibt weder Kommentar noch Interviews, keine Herausstellung von Startänzern oder Choreografen, die Namen der verschiedenen Protagonisten erfährt man erst im Nachspann. Würde Wiseman eine Gemäldegalerie betreiben, hingen die Bilder vermutlich ohne Titel und ohne Angabe des Malers in den Sälen – alles andere würde nur ablenken von den Dingen, um die es ihm wirklich geht.
Als Zuschauer braucht man also viel Geduld und Aufmerksamkeit, doch allmählich entwickelt sich das, was Wiseman in Monaten der Montage aus 150 Stunden Filmmaterial herausgearbeitet hat: Man erkennt, wie diese Institution funktioniert, wie sie am Laufen gehalten wird, welche Probleme dabei auftauchen und wie die beteiligten Menschen in ihren Handlungen davon geprägt werden. Jenseits davon spielt bei Wiseman auch immer der Gedanke eine Rolle, dass die Institution die Gesellschaft repräsentiert, in der sie existiert.
Und da Wisemans Filme nie eindimensional sind, besitzt „La Danse“ selbstverständlich auch noch einen anderen wesentlichen Aspekt: die Freude an der Ästhetik von Körpern in Bewegung. Letztlich, so behauptet Wiseman, sei das der eigentliche Grund für den Film gewesen: „Ich gehe gerne ins Ballett und dachte, es würde Spaß machen, einen Film darüber zu drehen.“

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „La Danse“ im Kino in Berlin

La Danse – Le ballet de l’opйra de Paris, Frankreich/USA 2009; Regie: Frederick Wiseman; 158 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 30. Dezember

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Frederick Wiseman

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