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„La Yuma – Der eigene Weg“ im Kino

La Yuma

Wenn Yuma, eine junge Frau in der nicaraguanischen Hauptstadt Managua, zu ihrer Familie nach Hause kommt, dann möchte sie am liebsten gleich wieder los. Am Eingang sitzt schon der Freund der Mutter, ein Faulpelz, der nur in die Luft schaut, aber nicht bemerkt, wenn die kleineren Geschwister hungrig sind. Die Mutter ist nicht da, denn sie muss arbeiten, und so lastet eine Menge Verantwortung auf Yuma. Nicht, dass sie nicht damit umzugehen wüsste, aber manchmal muss sie Dampf ablassen. Dann geht sie zum Boxtraining. Diesen Sport nimmt sie ernst, nicht zuletzt von dem Moment an, in dem ihr Trainer ihr einen Kampf gegen eine Gegnerin in Aussicht stellt, die schon einen gewissen Ruf hat.
Die Geschichte von der unbeirrbaren Kämpferin, die nicht unbedingt nach oben will, aber einen Weg aus dem Getto sucht, klingt ein wenig nach Klischee, aber es haben sich schon berühmte Regisseure an diesem Klischee versucht. Für Florence Jaugey ist Yuma eine probate Heldin, weil sie sich für den Film „La Yuma“ in mehreren Welten zugleich bewegen muss: Sie verkehrt mit den Gangs in ihrem Viertel auf vertrautem Fuß, sie durchschaut aber zugleich das Machogehabe ihrer Freunde, und sie ist offen genug für eine Liebesgeschichte mit dem angehenden Journalisten Ernesto, der aus einer deutlich bessergestellten Familie stammt und sich doch für Yuma interessiert.
Florence Jaugey entwickelt diese Geschichte mit Laiendarstellern auf eine Weise, die durchaus Pa­rallelen zum klassischen Neorealismus aufweist. Auch dort ging es ja um einen Neubeginn, wie er in Nicaragua nach vielen Jahren ideologischer Spaltung des Landes nötig ist. Yuma ist eine plausible Integrations- und Identifikationsfigur gerade deswegen, weil sie sich abzugrenzen weiß – auch gegen eine manchmal fast ein wenig zu thesenhafte Dramaturgie, mit der Florence Jaugey die Gesellschaft Nicaraguas erschließt.

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „La Yuma – Der eigene Weg“ im Kino in Berlin

La Yuma – Der eigene Weg (La yuma), Frankreich/Mexiko/Spanien 2009; Regie: Florence Jaugey; Darsteller: Alma Blanco
(Virginia Roa ‚La Yuma‘), Gabriel Benavides (Ernesto), Rigoberto Mayorga (Culebra); 91 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 17. März

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