Literaturverfilmung

„Lady Macbeth“ im Kino

Immer feste druff: Lady Macbeth schwelgt in Gewaltszenen.

Foto: Koch Films

Ein herrschaftliches Farmhaus in Nordengland im 19. Jahrhundert. Die junge Katherine ist als Braut hierhin verkauft worden, als Teil eines Geschäfts um Grundbesitz. Ihr Ehemann interessiert sich nicht für sie, der Schwiegervater schikaniert sie und verlangt einen Erben. Die Bilder, in denen dies inszeniert ist – streng komponierte Tableaus von Möbeln und Interieurs –, erzählen von Enge und Stagnation, denen Katherine entkommen will. In der Abwesenheit von Ehemann und Schwiegervater beginnt sie ein Verhältnis mit einem der Knechte und entdeckt auch sonst die Freuden der Herrinnenrolle: Befehle geben, Faulsein, ein Leben voller Genuss. Als zuerst der Schwiegervater und dann der Ehemann wieder auftauchen und eine Rückkehr zum Gehorsam fordern, wehrt Katherine sich. Die Konsequenzen sind für beide Männer fatal.

Regisseur William Oldroyd interessiert sich in seinem ersten Langfilm vor allem für die Darstellung und das Zelebrieren von Brutalitäten – zwischen Herr und Knecht, Mann und Frau, Schwiegervater und Katherine, Mensch und Tier. Ausführlich und in allen Konstellationen wird hier gedemütigt, geprügelt und gemordet. Die allgegenwärtige und ausgewalzt inszenierte Gewalt wird dadurch nicht angenehmer, dass zumeist eine unterdrückte Frau sie ausübt, deren Bedürfnis sich zu wehren man anfangs noch versteht. Doch von einer glaubwürdigen Entwicklung von Charakteren und Story kann keine Rede sein.

Stattdessen werden immer neue Anlässe für brutale Höhepunkte kreiert, die Geschichte wird im Laufe des Films immer kruder. Eine Mischlingsfrau taucht auf und verlangt einen Teil des Erbes für ihren Enkel, der ein illegitimer Sohn des toten Hausherren sei. Katherine führt ihren Machtkampf nun mit dieser Konkurrenzfamilie.

Lady Macbeth GB 2016, 88 min, R: William Oldroyd, D: Florence Pugh, Cosmo Jarvis, Start: 2.11.

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