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„In The Land of Blood and Honey“ im Kino

In The Land of Blood and Honey

Ein globaler Superstar wie Angelina Jolie ist vieles zugleich: Darstellerin von Filmfiguren, Identifikationsfigur für Luxusprodukte, Vorbild für Patchworkfamilien. Zudem ist sie Sonderbotschafterin des UN-Hochkommissariats für Flüchtlingsfragen, und in diesem Zusammenhang kommt sie immer wieder in die Krisenregionen dieser Welt. Nun hat sie zum ersten Mal bei einem Film Regie geführt, und die Frage ist dabei nicht ganz trivial, in welcher Funktion sie das getan hat: als UN-Botschafterin, als Werbeträgerin oder doch einfach als Schauspielerin, die eine neue künstlerische Herausforderung gesucht hat? „In the Land of Blood and Honey“ erzählt eine Geschichte aus dem Jugoslawienkrieg in den Neunzigerjahren. Ajla, eine junge Muslimin aus Sarajewo, tanzt zu Beginn mit Danijel, einem jungen bosnischen Serben, einem Mann in Uniform, der aussieht wie ein Pilot. Er ist aber ein Tschetnik, also einer der serbischen Nationalisten, die in dem Krieg, an den Jolie erinnert, zahlreiche Verbrechen begingen. Das Liebespaar Ajla und Danijel hat kaum Zeit für ein normales Zusammensein, ihre Beziehung gerät von Beginn an in den Sog der Gewalt, doch gelingt es Danijel mehrfach, für seine Geliebte einen geschützten Bereich zu schaffen, in dem sie – wie vor dem Krieg – Bilder malen kann. Nun aber sind es die Bilder serbischer Freischärler.
Mit großer Geduld (oder wenn man weniger gutwillig ist: mit einem umständlichen Sinn für Suspense) führt Angelina Jolie, die selbst das Drehbuch geschrieben hat, diese Beziehung an ihren letzten Zerreißpunkt. Dabei erzählt sie tatsächlich eher als UN-Botschafterin denn als Filmregisseurin im eigentlichen Sinn. Denn die Figuren bleiben Attrappen des allgemeinen Konflikts, der wiederum in seinen komplexen Zusammenhängen nicht erfasst wird. Bei allen Bemühungen um einen physischen Realismus bleibt dies doch ein plakativer Film, der gegenüber einer komplexen Bearbeitung der Traumata wie in „Esmas Geheimnis“ auf eine falsche Unmittelbarkeit der Darstellung setzt.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Wild Bunch Germany

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „In The Land of Blood and Honey“ im Kino in Berlin

In The Land of Blood and Honey, USA 2011; Regie: Angelina Jolie; Darsteller: Zana Marjanovic (Ajla Ekmecic), Goran Kostic (Danijel Vukojevic), Rade Serbedzija (Nebojљa Vukojevic); 127 Minuten

Kinostart: 23. Februar

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Angelina Jolie

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