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„Landraub: Die globale Jagd nach Ackerland“ im Kino

Landraub. Die globale Jagd nach Ackerland

Sie sind von ihrem Land vertrieben worden, ihre Häuser wurden zerstört, jetzt sind sie mittellos auf die Unterstützung buddhistischer Mönche angewiesen. In Kambodscha gelangte rund 65 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche unter ähnlichen Umständen in den Besitz von Investoren. Dass der Konzern, der in diesem Fall das Ackerland bekam, einem Regierungsmitglied gehört, ist ebenfalls keine Ausnahme. Die böse Pointe ist jedoch, dass dieser Zuckerproduzent seine Ware zollfrei in die EU exportieren kann. „Everything But Arms“ (EBA) heißt das entsprechende EU-Programm, das eigentlich unterentwickelte Regionen fördern soll. Solche Geschichten sind es, die Kurt Langbeins Dokumentarfilm über den neuen Agrar-Kolonialismus, spannend machen.
Aus Kambodscha, Sierra Leone, Äthiopien und Rumänien kommen die Beispiele, aus Deutschland die kritischen Gegenstimmen. Dabei haben auch in den neuen Bundesländern mit EU-Geldern subventionierte Agrarkonzerne riesige Flächen zusammengerafft und Kleinbetriebe an den Rand der Existenz gebracht. Der weltweite Anstieg der Lebensmittelpreise haben solche Investments zu ?einer lohnenden Geldanlage gemacht.
An Beispielen der Zuckerproduktion und des Palmöls entfaltet der Film das Netzwerk der globalisierten Nahrungsmittelproduktion. Dass eine großindustrielle Landwirtschaft die dringend benötigte Steigerung der weltweiten Produktion gar nicht bewerkstelligen kann, ist die letzte These des Films, für die Langbein einen seiner Protagonisten in den Norden Äthiopiens begleitet.
Kurt Langbeins „Landraub“ ist eingängiges Thesenkino. Geschmeidige Kranfahrten über Industrieanlagen, Mähdrescher auf Feldern, die wie Panzerkolonnen inszeniert sind, enervierend klimpernde Musik – alles geschenkt. Dafür stellt der Film die richtigen Fragen.

Text: Nicolaus Schröder

Foto: movienet

Orte und Zeiten: „Landraub: Die globale Jagd nach Ackerland“ im Kino in Berlin

Landraub: Die globale Jagd nach Ackerland, Österreich/Deutschland 2015; Regie: Kurt Langbein, Christian Brüser; 95 Minuten

Kinostart: Do, 08. Oktober 2015

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