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„Landstück“ im Kino

Die erste Einstellung in Volker Koepps neuer Dokumentation wirkt irgendwie zu idyllisch, um wahr zu sein. Eine Landschaft mit sanft geschwungenen Hügeln ist zu sehen, dazu Gras so grün wie gemalt. Man denkt, das müsste eine dieser hyperrealistischen Computeranimationen sein und wäre kaum verwundert, wenn gleich eine trällernde Prinzessin ihres Weges ziehen würde.
Doch die nächsten Einstellungen rücken den Eindruck zurecht: Wäsche weht im Wind, ­Kraniche ziehen über das Land. Es ist die Uckermark, nur rund 80 Kilometer nördlich von Berlin. Volker Koepp war mit der Kamera schon häufiger dort, die Menschen und Landschaften östlich der Elbe sind bekanntlich sein Thema. Jeder seiner Filme rekurriert mittlerweile auf ältere Werke und schafft eine ­weitere Zwischenbestandsaufnahme von Problemen und Befindlichkeiten, erzählt von der Heimat seiner Protagonisten, von ihrem Weggehen und Wiederkommen oder dem sturen Bleiben.
Doch „Landstück“ handelt nicht nur von dem jungen Paar, das sich mit einem Pferd auf dem Acker an der Bio-Landwirtschaft versucht oder dem Mann, der zurückkam, um mit seiner Familie den Hof von Onkel und Tante zu übernehmen. Sondern auch von jenen Leuten, die man nie zu Gesicht bekommt und die der Landschaft doch ihren Stempel aufdrücken: den Investoren, die mittlerweile den größten Teil der Nutzflächen bewirtschaften lassen. Mais und Raps gedeihen in endlosen Monokulturen, Biodiversität und Arbeitsplätze gehen verloren.
Das erklärt der bekannte Agrarwissenschaftler Michael Succow, der auch gleich noch schlüssig erläutert, was deutsche Mastbetriebe für Billig-Hühnchen mit Flüchtlingsströmen aus Afrika zu tun haben. Ein Idyll also wohl eher doch nicht, sondern bedrohte Landschaften mit Menschen, die wie die meisten Koepp-Protagonisten sanft und beharrlich dagegenhalten.

Text: Lars Penning

Foto: Salzgeber

Orte und Zeiten: Landstück

Landstück D 2016, 122 Min., R: Volker Koepp

Kinostart: Do, 3. März 2016

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