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Lars Penning kommentiert: Elsa-Blau

Lars Penning

Bei einem kürzlichen Familienurlaub kam mir ein Phänomen zu Bewusstsein, das ich bislang sträflich vernachlässigt hatte: die Liebe meiner 5-jährigen Nichte zu Elsa. Zurzeit wollen alle 5-jährigen Mädchen Elsa sein. Auf den Kindergeburtstagen gibt es Elsa-Torten, und Elsa-Blau hat das obligatorische Pink der Prinzessinnenfans mittlerweile flächendeckend als Lieblingsfarbe abgelöst. Für alle Nichtexperten: Bei Elsa handelt es sich um eine der beiden weiblichen Hauptfiguren des Disney-Animationsfilms „Die Eiskönigin“ (OT: „Frozen“), der bei uns vor fast anderthalb Jahren in die Kinos kam und sich in der Zwischenzeit mit einem weltweiten Einspielergebnis von ca. 1,3 Milliarden Dollar zum erfolgreichsten Trickfilm aller Zeiten entwickelt hat. Nur dass sich niemand so recht erklären kann, warum. Weshalb identifizieren sich sich die Mädchen eigentlich mit der Eiskönigin Elsa, die ihre Zauberkräfte nicht richtig unter Kontrolle hat, und nicht etwa mit ihrer Schwester Anna, der viel offenkundigeren Sympathieträgerin? Hat man bei Disney mit der starken, aber verletzlichen Elsa (versehentlich?) einen Frauentypus im Trickfilm entworfen, der direkt den Nerv der Zeit trifft? Oder würden die kleinen Kinogängerinnen einfach bloß auch gern mit einer Handbewegung ein Schloss aus Eis herbeizaubern? Man wird es wohl nicht herausfinden. Irgendwie beruhigend, dass Erfolge doch nicht in jedem Fall progammierbar sind.

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