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Lars Penning kommentiert: König der Ignoranz

Lars Penning

Wie viele Westdeutsche meiner Generation besaß ich zur DDR ein klar umrissenes Verhältnis: nämlich gar keins. Verwandte und Bekannte hatte ich dort nicht und das Land erschien mir ungefähr so einladend wie eine Antarktisexpedition in Badehose. Das änderte sich auch nicht, als ich 1983 zum Studium nach West-Berlin zog und die DDR nun auch noch zum ärgerlichen Verkehrshindernis mutierte. Und so saß ich am Abend des ?9. November 1989 vor meinem Fernseher und freute mich auf den Piratenfilm „König der Seeräuber“, den ich schon lange einmal hatte sehen wollen. Und dann das: Maueröffnung und – noch schlimmer – Fernsehprogrammänderung.  Für diesen Blödsinn fiel „König der Seeräuber“ aus! Da hätte man doch auch gleich live zur Wahl des Kassenwartes vom Taubenzüchterverein Zehlendorf schalten können! Ich machte die Glotze aus und ging verärgert zu Bett. Mit der Zeit normalisierte sich dann mein Verhältnis zum östlichen Teil Deutschlands – nicht zuletzt, weil der Mauerfall ja auch für die Wessis neue Reisefreiheiten mit sich brachte und sich die weißen Flecken auf meiner Landkarte langsam mit interessanten Eindrücken von Städten und Landschaften füllten. „König der Seeräuber“ habe ich dann übrigens später auch noch gesehen, der ist nicht so toll. Der Fall der Mauer war vermutlich doch wichtiger.

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