Kino & Stream

Lars Penning kommentiert: Logistik

Lars Penning

Schon oft habe ich mich gefragt, warum in Deutschland eigentlich so gut wie keine Kostümfilme gedreht werden. Dabei hat die deutsche Geschichte doch so richtig viel, äh, deutsche Geschichte zu bieten. Doch das scheint nur im Zusammenhang mit klassischen Dichtern zu gehen: Schiller, Goethe und Kleist sind im Kino offenbar okay. Aber wo bleiben Karl der Große und Pippin der Beheizte? Kaiser Friedrich Barbarossa, die Gebrüder Grimm oder Alexander von Humboldt? Selbst ein Martin-Luther-Film wird eher von kanadischen Protestanten finanziert, als dass hier mal jemand auf die Idee käme. Denn unsere Filmemacher drehen ja lieber diese Es-passiert-mal- wieder-nichts-in-Brandenburg- und-das-zeige-ich-euch-jetzt-zwei-Stunden-lang-Werke, die immer so enormen Zuschauerzuspruch finden. Zugegebenermaßen erfordern sie einen deutlich geringeren logistischen Aufwand. Aber auch da kann einem doch etwas einfallen: Ingmar Bergman hat seinen Mittelalter-Knüller „Das siebente Siegel“ ja auch nur mit einer Rüstung und einem Typen mit ’ner Sense gedreht. Für den Gang von König Heinrich IV. nach Canossa zu Papst Gregor VII. bräuchte man schließlich auch kaum mehr als ein Büßergewand. Doch denken deutsche Filmproduzenten an den Papst, dann ist es bloß der knochentrockene Ratzinger-Joseph. Den verfilmt jetzt der Schweighöfer.

Text: Lars Penning

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