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Lars Penning kommentiert: Nasenstüber

Lars Penning

Mögen Sie 3D-Filme? Ich habe da so meine Vorbehalte. Okay, die rühren auch ein wenig daher, dass ich als Brillenträger wenig Lust verspüre, mir im Kino noch eine zweite Brille auf die Nase und hinter das Ohr zu klemmen. Eine Kollegin meinte neulich, sie benötige eigentlich eine längere Nase, und mir drängte sich unvermittelt die Frage auf, wie Vincent van Gogh das Brillenproblem wohl gelöst hätte. Mit einem 3D-Zwicker vielleicht?
Doch auch jenseits der Unbequemlichkeiten bereitet mir 3D oft Unbehagen. Die Ära der Kopfschmerzen verursachenden rot-grünen Brillen ist ja glücklicherweise ebenso vorbei wie die Gimmickphase, in der man als Zuschauer ständig mit Felsbrocken beworfen wurde. Doch den Spektakelcharakter wird auch der moderne 3D-Film nur schleppend los: Erzählt man eine Geschichte ohne kopfüber durch die Luft segelnde Piratenschiffe, die sich in einer Feengrotte wilde Seeschlachten liefern, dann benötigt man die Dreidimensionalität ja eigentlich gar nicht, denn sie fällt kaum auf. Und mit Seeschlacht in der Luft verlagert sich das Interesse der Filmemacher fast immer unheilvoll auf die Effekte – und weg von Figuren und Story. Würde man in den 150-Millionen-Dollar-Produktionen genauso viel Zeit, Geld und Sorgfalt auf die Entwicklung plausibler Charaktere verwenden wie in die Entwicklung der Effekte, sähe die Sache schon anders aus. Vielleicht würden mich dann auch die Druckstellen hinter den Ohren nicht stören.

Text: Lars Penning

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