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Lars Penning kommentiert: Not und Elend

Lars Penning

Neulich erreichte mich eine Einladung von German Films, der Auslandsvertretung der deutschen Filmwirtschaft, zum Deutschen Empfang bei den Filmfestspielen von Cannes. Kulturstaatsministerin Monika Grütters werde die Eröffnungsrede halten. Was genau Frau Grütters zu sagen hatte, stand bei Redaktionsschluss dieses Heftes noch nicht fest, doch allzu viel Freude dürfte sie nicht verbreitet haben. Denn zu feiern gibt es in Cannes für den deutschen Film nichts: Mit Ausnahme der dffb-Produktion „Abwesend“ in der Nebenreihe Cinefondation ist dort weit und breit kein deutscher Film zu sehen. In der Not zählt man bei German Films die Koproduktionen, denn deutsches Geld, das geht ja immer. Der Skandal liegt nicht etwa in einer plötzlichen Deutschfeindlichkeit französischer Festivalmacher, sondern in einer hausgemachten Misere: Filmförderung wird in Deutschland eben als Wirtschafts- und Standortförderung begriffen, die Qualität der geförderten Projekte oder der Aufbau von Talenten sind da allenfalls Nebensache. Wohin der Großteil des Geldes geht, zeigt eine kürzlich veröffentlichte Pressemitteilung des Medienboards Berlin-Brandenburg: Da fließen beispielsweise 580?000 Euro in die Sat.1-Serie „Frauenherzen“ oder 375?000 Euro in den zweiten Teil des Sat.1-Films „Die Hebamme“. Nach Cannes wird man damit natürlich nicht eingeladen.

Text: Lars Penning

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