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Lars Penning kommentiert: Nummer Sicher

Lars Penning

Der neue James-Bond-Film „Spectre“, der mit Erscheinen dieses Heftes in unseren Kinos anläuft, führt einem gerade äußerst anschaulich vor Augen, was passiert, wenn sich Drehbuchautoren und Regisseure kaum mehr gedankliche Freiheiten nehmen, weil die Angst viel zu groß ist, die Fan-Gemeinschaft eines populären und etablierten Franchise vor den Kopf zu stoßen. Also reiht sich ein Selbstzitat an das nächste, freudig zu entschlüsseln von Freaks, die vermutlich jeden Tag mit einem geschüttelten Wodka-Martini beginnen. Doch wen interessiert das sonst noch?
Wie schön war da im Vergleich der spannende Vorgänger „Skyfall“, auch wenn dessen überraschende Ideen wohl vor allem einem Rechtstreit um Handlungselemente und Figuren aus der Bond-Geschichte zu verdanken waren, wie der Kollege Weixlbaumer in seiner Kritik schlüssig erläutert. Was ja wirklich hinreichend absurd ist. Dabei ist „Spectre“ noch nicht einmal ein besonders schlimmes Beispiel der Angst vor dem Zuschauer, sondern nur das aktuellste. Geht es etwa um den „Herrn der Ringe“ oder um Comic-Verfilmungen mit der x-ten Neuauflage von Batman, Spider-Man und Co., dann läuft ohne die Fan-Conventions in den USA überhaupt nichts mehr: Die Filmkonzerne glauben ernsthaft, dass sie ihre Multimillionen-Produkte ohne den vorherigen Segen der Fans nicht unter die Leute bringen können. Doch was dabei herauskommt, ist nur: Kino auf Nummer Sicher.

Text: Lars Penning

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