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Lars Penning über Fatih Akin: Drohung!

Lars Penning

Vor einigen Tagen wurde bekanntgegeben, dass in diesem Jahr der Hamburger Regisseur Fatih Akin den Douglas-Sirk-Preis des Filmfests Hamburg erhält. Überreicht werde der Preis anlässlich der Deutschland-Premiere seines neuen Films „The Cut“, mit dem Akin jetzt seine 2004 mit „Gegen die Wand“ begonnene „Liebe, Tod und Teufel“-Trilogie abschließt. Zweifellos ein Grund zur Freude für den vielfach ausgezeichneten Regisseur und seine Bewunderer, die der Sohn türkischer Einwanderer auch in der Türkei hat. Dort hatte man Akin in der Vergangenheit in aufwallendem Nationalstolz gern als einen der Ihren vereinnahmt, der Glanz der Preise und Auszeichnungen fiel so immer auch ein wenig auf das Land seiner Ahnen am Bosporus. Die Töne, die jetzt aus der Türkei kommen, klingen jedoch ganz anders, berührt „The Cut“ – den bislang überhaupt noch niemand zu Gesicht bekommen hat – doch ein heikles Thema: den Völkermord der Türken an den Armeniern im Jahr 1915, den die Türkei bis heute leugnet. Man werde die Aufführung von „The Cut“ in der Türkei zu verhindern wissen, sprach das ultranationalistische Magazin „Ötüken“ eine offene Warnung aus, die sogar eine verklausulierte Morddrohung beinhaltet. Eine Stellungnahme offizieller Stellen, die diesem Wahnsinn scharf entgegentritt, wäre zwingend nötig, fehlt bislang allerdings. Und ist in der gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Situation der Türkei wohl leider auch nicht zu erwarten.

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