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Horrortrip

Lars von Trier: „The House That Jack Built“ im Kino

Höllenfahrt eines Regisseurs: Lars von Trier hat sich in seinen Filmen immer auch selbst porträtiert, mit seinen Selbstzweifeln, Lüsten und Spleens. In den Depressionen und Angststörungen, welche die Heldinnen von „Melancholia“ oder „Antichrist“ in hexenhaftem oder planetarischem Format ausagierten, konnte man ihn ebenso erkennen wie zuletzt in der inszenierungswütigen Heldin von „Nymphomaniac“

Zentropa/ Christian Geisnaes

„The House That Jack Built“ dokumentiert jetzt den vollzogenen Übergang von der Masochistin zum Sadisten. Bevor der Bautechniker Jack (Matt Dillon) durch eine Skulptur aus gefrorenen Leichen ins grandiose Finale in der Hölle herabsteigen darf, muss man als Zuschauer einiges mitmachen. In extrem schmerzhaften, zynischen Vignetten präsentiert der Serienkiller im Gespräch mit dem mysteriösen Verge (Bruno Ganz) seine „Incidents“, eine Auswahl aus den dutzenden Morden, die er an Frauen, Kindern, Männern verübt hat. Daneben zerstreut sich von Trier mit Zitaten des Höllen-Dichters William Blake, lässt Glenn Gould immer neue Anläufe zu einer perfekten Mozartinterpretation nehmen oder räsoniert über gotische Spitzbögen.

Wer die drastischen Gewaltminiaturen Jacks auch als Spuren des dynamischen Unbewussten lesen mag, sieht bald einen zweiten Film. Die blutige Fährte führt immer wieder zu einem Mann zurück: dem 62-jährigen Regisseur, der mit Provokationslust hier sein Lebenswerk zitiert und zugleich zitternd die Frage stellt, ob es Bestand haben wird. Die Höllenfahrt, die wir erleben, ist seine eigene.

The House That Jack Built DK/S/FD 2018, 153 Min., R: Lars von Trier, D: Matt Dillon, Uma Thurman, Bruno Ganz, Riley Keough, Start: 29.11.

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