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Lasse Hallströms „Der Hypnotiseur“ im Kino

Der_Hypnotiseur_05_c_2012PROKINOFilmverleihGmbHSie sind etwas anders, die Krimis aus dem Norden Europas. Liegt es am psychologisch geschulten Blick auf das Verbrechen, der oft mitschwingenden Sozialkritik oder einfach nur daran, dass die mörderischen Gräueltaten doch nicht direkt nebenan geschehen? Wie dem auch sei, ein Einbruch der skandinavischen Krimikonjunktur scheint nicht in Sicht. Wieder wurde ein schwedischer Bestseller verfilmt: „Der Hypnotiseur“ vom Schriftsteller-Ehepaar Alexander Ahndoril und Alexandra Coelho Ahndoril, besser bekannt unter ihrem Pseudonym Lars Kepler. „Der Hypnotiseur“ ist der erste von acht Fällen des Stockholmer Kriminalkommissars Joona Lina, der inmitten vorweihnachtlichen Trubels vor einem Rätsel steht: Eine Familie wurde abgeschlachtet.

Der Vater, ein Lehrer, liegt erstochen in der Turnhalle, seine Frau findet man tot in entwürdigender Pose in der Küche, ihre kleine Tochter starb vor dem Fernseher. Nur der Sohn Josef überlebt, schwer verletzt und traumatisiert. Keine Zeugen, kein Motiv, keine Verdächtigen. Während der Kommissar im Dunkeln tappt, soll ein Arzt und Hypnotiseur helfen, dessen Methode jedoch umstritten und gefährlich ist. Erik Bark heißt dieser Mann, er wird von Mikael Persbrandt gespielt, dem blauäugigen coolen Mann fürs Grobe in der TV-Serie „Kommissar Beck“. Bark, von Schlaf- und Eheproblemen geplagt, wirkt lang als falscher Mann im Team, bis er dann doch Josefs Erinnerungsvermögen wiederbelebt und erwartungsgemäß so viel Schreckliches entdeckt, dass er sich ihm nicht entziehen kann. Schade nur, dass neben ihm das Stockholmer Ermittlerteam verblasst.

Fraglos bedient „Der Hypnotiseur“ ziemlich konventionell alle Erwartungen an einen Krimi dieses Kalibers. Regisseur Lasse Hallström kehrte dafür in sein Heimatland zurück – seit 1991 war er hauptsächlich für Hollywood aktiv, drehte Filme wie „Gilbert Grape“, „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, „Chocolat“ und zuletzt „Lachsfischen im Jemen“. „Der Hypnotiseur“ ist gleichzeitig sein erster Thriller, glücklicherweise ohne amerikanische High-Speed-Noise-Action. Subtil und souverän entblättert er das Grauen, nimmt dabei einige Längen in Kauf und überrascht mit kurzen Kunstzitaten.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: 2012 Prokino Filmverleih GmbH

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Der Hypnotiseur“ im Kino in Berlin

Hypnotisören Schweden 2012; Regie: Lasse Hallström; Darsteller: Tobias Zilliacus (Joona Linna), Mikael Persbrandt (Erik Maria Bark), Lena Olin (Simone Bark); 122 Minuten; FSK 16; Kinostart: 21. Februar

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