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„Late Bloomers“ im Kino

Late Bloomers

Altwerden ist eine heikle Aufgabe. Beschönigenden Wendungen wie dem „Herbst des Lebens“ traut man instinktiv nicht. So geht es auch dem zentralen Paar in „Late Bloomers“, das sich eines Tages gezwungen sieht, sich mit dem Thema zu konfrontieren. William Hurt und Isabella Rossellini spielen zwei lang verheiratete Londoner Akademiker, die sich auseinanderleben. Den Anfang macht ein Gedächtnis-Aussetzer, den Mary erlebt und irrtümlich für Alzheimer hält. Schlagartig hängt die Vergänglichkeit im Raum, doch die Eheleute gehen konträr damit um. Während der agile Architekt Adam mit Ablehnung und Flucht in Arbeit reagiert, rüstet seine Frau emsig das Haus seniorengerecht nach, etwa mit Aufstehhilfen in der Badewanne. Das erscheint als Aktionismus, der kaum über schrullige Neurosen in arrivierten Kreisen hinauskommt – trotz sympathischer und gewohnt attraktiver Hauptdarsteller. Eine schroffere Tonart meidet der Film von Julie Gavras, der mit fröhlicher Musik und teils überzeichneten Nebenrollen ausgestattet ist. Doch auch zum Komödiantischen mag sich „Late Bloomers“ nicht ganz entschließen und laviert stattdessen unbestimmt in der Mitte.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Movienet Film GmbH

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Late Bloomers“ im Kino in Berlin

Late Bloomers, Frankreich/Großbritannien/Belgien 2010; Regie: Julie Gavras; Darsteller: William Hurt (Adam), Isabella Rossellini (Mary), Doreen Mantle (Nora); 92 Minuten; FSK 0

Kinostart: 6. September

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