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„Layla Fourie“ im Kino in Berlin

Layla Fourie

In den stärksten Momenten von „Layla Fourie“ passiert nichts. Dann sieht man jene junge schwarze Frau (Rayna Campbell), deren Namen Pia Marais‘ Film trägt, einfach an einer Johannesburger Straßenkreuzung stehen, darauf wartend, dass die Ampel auf Bewegung umspringt. Kleidung und Frisur – ein Bollwerk der Ordnung im Durcheinander. Die Kamera beobachtet Layla dabei aus kühler Distanz. Und kann doch nicht übersehen, in welchem Zustand sich diese Figur in Wahrheit befindet.
Die Geschichte der Layla Fourie deutet anfänglich noch nicht unbedingt darauf hin. Gerade hat sie eine Abschlussprüfung absolviert, nun ist Layla offiziell dazu befähigt, eventuelle Arbeitnehmer am Lügendetektor auf kriminelles Potenzial zu überprüfen. Der erste Auftrag lässt auch nicht lange auf sich warten: Ein Spielcasino außerhalb der Stadt ist auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Layla soll sofort anreisen. Ihren Sohn nimmt sie kurzerhand mit, dem Vater ist nicht nach Betreuung. So machen sich Mutter und Kind gemeinsam auf den Weg durch die Nacht. Aufgrund eines Unfalls werden sie zu stillen Komplizen, zu Hütern eines grässlichen Geheimnisses. Dieses steht auch noch in direktem Zusammenhang mit Laylas erster Testperson: Eugene (August Diehl), eine holprige Mischung aus gut situiertem Herumstreuner und schelmischem Ehrenmann. Eine verführerische Antithese.
Die daraus erwachsende Spannung ist dabei allerdings leichter auszuhalten, als man vielleicht denken mag. Grund hierfür ist nicht nur eine gewisse Hölzernheit, die sich bis auf wenige Ausnahmen durch das gesamte Schauspiel zieht. Es ist vor allem die menschenscheue Draufsicht, die „Layla Fourie“ wählt und die den Film zu einer seltsam leblosen Angelegenheit macht. So wird aus einer Geschichte eine Parabel, ein kluger Gedanke zum Lehrstück vor post-apartheidlicher Kulisse. In einigen wenigen Aufnahmen gelingt „Layla Fourie“ jedoch etwas Außergewöhnliches: Dann fließen alle Stränge plötzlich zusammen und sind als nervös-paranoide Anspannung in Laylas Gesicht zu sehen, während sie an einer Straßenkreuzung steht.

Text: Carolin Weidner

Foto: Pandora Filmproduktion

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Layla Fourie“ im Kino in Berlin

Layla Fourie, Deutschland 2012; Regie: Pia Marais; Darsteller: Rayna Campbell (Layla Fourie), August Diehl (Eugen Pienaar), Rapule Hendricks (Kane); 112 Minuten; FSK 12

Kinostart: 4. Juli

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